Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Beziehung der aus wässrigen Organextrakten gewonnenen Nucleinfermente zu den physiologischen Vorgängen im lebenden Organismus
Person:
Jones, Walter
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37815/5/
über aus wässerigen Organextrakten gewonnene Nucleinfermente. 387 
Es besteht da eine gute Übereinstimmung, da die Hundemuskulatur 
das Gewebe ist, dessen Untersuchung gerade zu dem Ausdruck «präfor- 
miertes Hypoxanthin» geführt hat. Dieser Muskel ist, wie die Muskeln 
der Säugetiere, überhaupt reich an Hypoxanthin, aber besitzt nicht die 
Funktion der Adenase. Leonard und Jones1 *) setzten einem Extrakt 
dieses Muskels Adekin zu und unterwarfen die Mischung der Digestion 
bei 40°. Nach 2 Tagen wurde die Hälfte entfernt und untersucht, während 
die andere Hälfte 23 Tage länger im Brutofen blieb. Die Analyse der 
Produkte zeigte, daß nach 25 Tagen das Adenin nicht weniger und das 
Hypoxanthin nicht mehr geworden war als nach 2 Tagen, und diese Fest¬ 
stellung gilt auch für die Muskeln von Schwein und Kaninchen. So ist 
wohl ein Hundemuskelextrakt reich an Hypoxanthin, enthält aber keine 
Adenase ; der Rindsmuskel hingegen liefert Adenase in einem bedeutenden 
Maße, aber unterscheidet sich in seinem Gehalt an Hypoxanthin kaum 
von anderen Säugetiermuskeln. «Präformiertes Hypoxanthin*, ist ein 
charakteristischer Muskelbestandleil und sein Gehalt in den verschiedenen 
Tiermuskeln verändert sich nicht mit dem verschiedenen Gehalt an 
Adenase, welche diese Muskeln enthalten ; auch sind diese Beobachtungen 
nicht auf willkürliche Muskeln beschränkt, denn Saiki*)'hat gefunden, 
daß ebenso wie die quergestreiften auch die glatten Muskeln als haupt¬ 
sächlichste Base Hypoxanthin enthalten. Ist nun vorgebildetes Hypo¬ 
xanthin ein Muskelbestandteil, dann kann man wohl erwarten, daß, wo 
immer Muskelgewebe vorhanden ist, auch der Gehalt an Hypoxanthin 
dem vorhandenen Muskelgewebe entspricht ; aus diesem Grunde ist es 
nicht überraschend, daß Spuren von Hypoxanthin in tierischen Drüsen 
gefunden werden. 
Diese Schlußfolgerung ist wohl eher anzuerkennen, als die ziemlich 
unbestimmte Hypothese, daß eine Spur von Hypoxanthin in einer Drüse 
die Überreste einer Lebensfunktion beweist oder, um mich deutlicher 
auszudrücken, als Wirkung kleiner Reste eines Ferments, der Adenase, 
welches in anderen Fällen zeigt, daß es den Tod der Gewebe über¬ 
dauert, welches aber in den besprochenen Fällen nur sehr schwach und 
kaum wirksam sein soll. 
Auf eine ähnliche Anomalie stießen wir bei Versuchen über Nuclein¬ 
fermente in wässerigen Organauszügen von Ratten.8) Wir stellten fest, 
daß diese Extrakte eine gleichmäßige und kräftige Guanasewirkung 
zeigen ; aber es konnte weder Adenase noch Xanthooxydase .'nach¬ 
gewiesen werden. Nun hätten diese beiden Fermente in einigen kleineren, 
nicht untersuchten Organen vorhanden sein können, auch hätte man an- 
‘) Journ. of Biol. Chem., Bd. VI, S. 453. 
*) Journ. of Biol. Chem., Bd. IV, S. 483. 
3) Die ausführliche Publikation erfolgt demnächst durch Rohde 
und Jones in dem Journal of Biological Chemistry. •
        

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