Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Beziehung der aus wässrigen Organextrakten gewonnenen Nucleinfermente zu den physiologischen Vorgängen im lebenden Organismus
Person:
Jones, Walter
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37815/2/
384 Walter Jones, 
logisch, die Resultate der Laboratoriumsexperiinente durch Überlegungen 
physiologischer Art in Zweifel zu ziehen; wie nahe ein solcher Irrtum 
liegt, zeigt folgendes Beispiel. 
Es ist von Jones und Austrian1) gezeigt worden, daß ein 
wässeriges Extrakt von Kaninchenleber wohl eine Umwandlung von 
Guanin in Xanthin, aber nicht eine analoge Veränderung von Adenin in 
Hypoxanthin bewerkstelligen kann. Schittenhelm und Schmid*) be¬ 
streiten den mit einem wässerigen Extrakt dieses Organs angestellten 
Versuch, weil, nach ihrer Meinung, seine Richtigkeit die Anwesenheil 
einer großen Menge Adenin im Urin des Tieres zur Folge haben müßte. 
Sie waren so fest davon überzeugt, daß der Vorgang im lebenden Or¬ 
ganismus dem mit dem Extrakt des toten Organs entsprechen mußte, daß 
sie nach zweimaliger Wiederholung des Experiments von Jones und 
Austrian mit negativem Erfolg (wahrscheinlich mit dem von Jones 
und Austrian beschriebenen Resultat) ein drittes Experiment anstellten, 
welches vollständig ihren Voraussetzungen entsprach. 
Schlagender noch ist das folgende Beispiel : Eine Untersuchung der 
wässerigen Auszüge einer Anzahl menschlicher Organe führte Winter¬ 
nitz und Jones3) ebenso wie Miller und Jones4) zu der Schlu߬ 
folgerung, daß das Extrakt der Leber eines erwachsenen Menschen so¬ 
wohl Guanase wie Xanthooxydase enthält; ferner, daß in bestimmten 
anderen Organen Guanase vorhanden ist, aber die Xanthooxydase nur 
der Leber zukommt; daß Adenase allen Organen in charakteristischer 
Weise fehlt ; daß schließlich in Übereinstimmung mit den früheren Aus¬ 
führungen Wiechowskis6) die menschliche Leber keine Uricolase zeigt. 
Das Fehlen von Adenase war gefolgert worden aus dem Wiederauffinden 
einer großen Menge des unveränderten Adenins nach der Digestion bei 
Körpertemperatur mit wässerigen Extrakten menschlicher Organe und 
ohne Rücksicht auf die Tatsache, daß eine Spür (wirklich nur eine Spur) 
von Hypoxanthin unter den Produkten gefunden wurde ; diese letztere 
Substanz wurde aus guten Gründen als im Organextrakt vorgebildet an¬ 
gesehen und nicht als während der Digestion auf Kosten des Adenins 
entstanden. Ihr Vorhandensein wurde nämlich auf das Muskelgewebe 
der Drüse bezogen und sie wurde als «präformiertes Hypoxanthin* be- 
zeichnet. Diese Schlußfolgerung wird auch von Schittenhelm6) in 
*) Diese Zeitschrift. 
s) Diese Zeitschrift. 
3) Diese Zeitschrift, Bd. LX, S. 180. 
4) Diese Zeitschrift, Bd. LXI, S. 395. 
8) Arch. f. exp. Path, und Pharm., Bd. LX, S. 185. 
c) Diese Zeitschrift, Bd. LXIII, S. 248. — Die erste Entdeckung der 
Xanthooxydase in der menschlichen Leber ist vonKünzel und Schitten¬ 
helm gemacht. Zentralbl. für die ges. Phys. u. Path, des Stoffwechsels, 
1908, Nr. 19.
        

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