Bauhaus-Universität Weimar

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E. Grafe, 
tientin die Durchführung quantitativer Bestimmung zunächst 
unmöglich war. 
Nach den bisher Vorliegenden Beobachtungen an hungern¬ 
den Personen (vgl. Literatur bei v. NoordenQ2) S. 516), war 
zu erwarten, daß der Stickstoff im Harn nicht wie in der Norm, 
nahezu ganz als Harnstoff ausgeschieden wird. Es stieg meist 
bei den bisher untersuchten Hungerpersonen sowohl der Prozent¬ 
gehalt an Aminosäuren- wie vor allem an Ammoniak. Da dem 
letzteren Körper eine besondere Bedeutung zukommt, habe ich 
in den letzten Hungertagen auch den Ammoniakstickstoff be¬ 
stimmt und dabei außerordentlich hohe Werte erhalten, die 
noch weit höher liegen wie die schon hohen Zahlen von 
Brugschi2). Am 16. X. würden von der Patientin 2,616 g 
NH-j-N, d. h. ;)7,7°/o des Gesamtstickstoffs als Ammoniak aus¬ 
geschieden. 1 
Die Ursache der vermehrten Ammoniakausscheidung ist 
die starke Acidose des Organismus. Die Ausscheidung von 
Aceton im Hunger harn ist schon seit v. Jak sch») bekannt 
und bei den Hungerversuchen an Getti und Breithaupt von 
I*. Müller eingehend studiert, dagegen fehlten bis vor kurzem 
genaue quantitative Angaben über die Ausscheidung von ß-Oxy- 
buttersäure, die zuerst Kiilzf7) bei Inanition fand. Brugsch(3ai 
ist der erste, der sie bisher während des 20. —30. Hungertags bei 
Succi approximativ aus der Linksdrehung des Harns berechnet 
hat, Böninger und Mohr(2) bestimmten sie zum ersten Male 
quantitativ. Mir schien nun vor allem für die Beurteilung des 
respiratorischen Quotienten eine genaue quantitative Bestimmung 
der ß-Oxy buttersäure von großer Wichtigkeit. Die von mir ge¬ 
fundenen Werte sind in Stab 11 der Tabelle I zusammengestellt 
Es zeigt sich, daß bereits am 6.—7>Hungertag, andern 
meine Untersuchungen begannen, eine Ausscheidung von 10 g 
pro die sich findet. Der dann folgende Sturz auf 1,54 g ist 
offenbar bedingt durch die ganz geringe Nahrungszufuhr, die, 
wie oben erwähnt, versehentlich am 5. X. 09 per Klysma statt¬ 
fand. Obwohl schätzungsweise davon nur geringe Mengen im 
Organismus zurückgeblieben sein können, genügen diese doch, 
das gewaltige Sinken der Acetonkörperausscheidung hervor-
        

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