Bauhaus-Universität Weimar

DÀS GLOBULIN DËR MÎLCË. 
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Wiederholung des Filtrirens immer mehr und mehr Casein von dem Filter zurückge¬ 
halten wird, und zuletzt ein sowohl an Fetten als auch an Proteinkörpern armes 
Filtrat durchläuft. Auch Hoppe-Seyler behauptet jetzt (1877, 77 p. 728), seine Be¬ 
obachtungen an gekochter Milch, welche bei der Probe in einer äusserst dünnen 
Schicht zwischen zwei Glasplättchen keinen Niederschlag ausschied (p. n. 202-S), ver¬ 
gessend, dass normale Milch suspendirte Partikelchen enthält, da solche bei der 
Behandlung mit Aether in der Milch gefunden werden *)! 
Somit wirft sich die Frage nach der Bedeutung der Filtration immer wieder 
auf und wird unter neuen Versuchsbedingungen immer wieder geprüft. Lehmann, 
Jul. (102 p. 358; 103 p. 263) brachte frische Milch mittels Pipetten auf poröse ge¬ 
brannte Thonplatten, wobei an der Oberfläche, wie Lehmann meinte, nur die Fette 
und das Casein Zurückbleiben sollten. Beim Erwärmen der Platte mit dem Rück¬ 
stand schmolzen die Fette und konnten dann leicht mittels Aether entfernt werden 
während der R,est aus Casein bestand. Dieses Verfahren schlug Lehmann sogar zur 
quantitativen Bestimmung des Caseins vor (ib. p. 360). Hermann & Fräulein Dupré 
(69 p. 443) fanden jedoch, indem sie Milch in verschiedenen Verhältnissen mit 
dem Pulver solcher ausgewaschener, getrokneter und zerstossener poröser Cylinder, 
wie sie gewöhnlich bei Zahn’s Versuchen gebraucht wurden, vermischten, dass, wenn 
die Mischung mehr Pulver als Milch (4 : 3) enthielt, ein Filtrat erhalten wurde, 
welches von Essigsäure garnicht getrübt wurde, während bei einem geringeren Ge¬ 
halt an Pulver Essigsäure das erhaltene Filtrat trübte. Analoge Ptesultate erhielten 
dieselben Autoren auch bei der Filtration durch tierische Kohle. Dabei bemerkten 
sie, dass, je länger das Gemenge bis zur Filtration gestanden hat, desto weniger 
Protei'nkörper das Filtrat enthält. Nachdem die Versuche mit den porösen Cylindern 
mislungen waren, wandten Rochefontaine & Marcus (14 p. 120) zuletzt Filtration 
der Milch und des Serums durch gut ausgewaschene und von den organischen Sub¬ 
stanzen befreite thierische Kohle oder desgleichen Gyps an. Sie bemerkten dabei, 
dass sowohl aus der Milch als auch aus dem Blutserum Filtrate erhalten werden, 
die keine Proteine enthalten, da die Reaction auf Essigsäure fehlt (ib. p. 120), 
während schon früher einer dieser Forscher—Marcus—gezeigt hatte, dass ein Alkali- 
albuminat (albumine de potasse) in grossen Mengen durch den Filter geht (ib. p. 121). 
B. Experimentelle That sache n. Alle Missverständnisse, die bei 
dem Studium der Eigenschaften des Filtrats der Milch durch poröse Körper ent¬ 
stehen, werden leicht durch die von E. Maljutin in unserem Laboratorium (109 p. 
249) erhaltenen Thatsachen gelöst. Zum Filtriren der Milch benutzte genannter 
Autor eine Batterie aus 7—8 hohen und schmalen Thoncylindern von galvanischen 
Elementen. Die Cylinder wurden vorher in destillirtem Wasser gewaschen und aus¬ 
gekocht; Wasser wurde unter Druck auch durch die Wände der Gefässe durchgelas¬ 
sen, worauf diese getrocknet und im Luftbade sterilisirt wurden. Jeder Cylinder 
wurde mit einem gut angepassten, etwas konisch geschnittenem Gummipfropfen 
versehen, durch welchen ein t-förmiges Rohr ging, welches mittels Gummischläu¬ 
che mit den freien Enden ähnlicher Rohre der anderen Cylinder verbunden war; in 
diesen Kreis führte man auch einen Quecksilbermanometer und eine Handluftpumpe 
ein, welch letztere einen negativen Druck von 600—650 mm. in den Cylindern 
’) „§ 340. Extrahirt man Milch mit sehr grossen 
.Mengen Aether, so ist es nicht so schwierig, als 
man früher geglaubt hat, die Fette zu entfernen; 
alter die Flüssigkeit wird hierdurch nicht klar, 
sondern en!hält jetzt Partikel von verschiedener, 
aber stets sehr geringer Grösse, die nur aus Ca¬ 
sein oder Nuclein oder aus beiden zusammen 
bestehen können. Es ist einleuchted, dass diese 
ungelösten Theilchen schon vor der Behandlung 
mit Aether vorhanden sein mussten (?!). Durch 
Zusatz von Alkalilauge werden sie schnell und 
vollkommen gelöst“ (77 p. 728).
        

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