Bauhaus-Universität Weimar

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DAS GLOBULIN DER MILCH. 
keitsbedingungen des Caseins in der Milch in der Form aufgestellt zu haben, wel¬ 
che die Aufmerksamkeit der Forscher am meisten auf sich zog und noch jetzl 
auf sich zieht. 
Nachdem Hoppe-Seyler (73 p. 417; 74 p. 3) Alkalialbumin- und Caseünlösungen 
in der Gestalt, wie das Casein in der Milch vorhanden ist, oder, einfacher gesagt, 
mit Milch verglichen hatte, bestritt er, dass die.Milch das Casein in Gestalt eines 
Alkalialbuminats enthält, da dieselbe für gewöhnlich sauer reagirt; das Alkalialbu- 
minat aber könne in einem sauer reagirenden Medium und noch dazu beim Kochen 
nicht in Lösung bleiben, um so mehr als hier die saure Reaction nicht-durch freie 
Kohlensäure bedingt wird. Ueberdies bekommt frische, alkalisch reagirende Milch 
nach und nach saure Reaction, scheidet aber Caseinniederschläge beim Kochen erst 
bei einem gewissen Grade von Acidität aus, während ein Alkalialbuminat schon 
bei Neutralisation und Zimmertemperatur gefällt wird (73 p. 417-8). Der Gc- 
rinnungstemperatur scheint Hoppe-Seyler keine besondere Bedeutung zuzuschreiben, 
da er beobachtet hatte, dass frische Milch bei 140° gerinnt, während Cerebrospi- 
nalflüssigkeit in einem Falle sogar bei 130° ganz klar blieb (ib. p. 418). Ausser¬ 
dem traf Hoppe-Seyler oft auf solche Kuh- und Ziegenmilch, welche beim Kochen 
gerannen (ib. p. 419). Gleichdem, wie schon Scherer beobachtet hatte, dass mit 
Essigsäure angesäuerte Milch nicht nur beim Kochen sondern auch schon bei 80" 
gerinnt, fand Hoppe-Seyler ferner auch, dass Kohlensäure zwei Veränderungs¬ 
stufen der Milch bedingt; frische Milch, welche in der Hitze weder bei Ge¬ 
genwart noch in Abwesenheit von Kohlensäure gerinnt, erwirbt nach mehrstündi¬ 
gem Stehen die Fähigkeit beim Kochen zu gerinnen, doch erst nach längerer 
Einwirkung der Kohlensäure. Hat die Milch noch einige Stunden gestanden, so ge¬ 
rinnt sie beim Kochen auch ohne vorhergehende Behandlung mit Kohlensäure. 
Einige Stunden später wird die Milch von Kohlensäure schon bei gewöhnlicher 
Temperatur gefällt (ib. p. 419). Mit den gewöhnlichen Beobachtungsmethoden der 
beim Kochen protemhaltiger Flüssigkeiten sich bildenden Niederschläge sich nicht 
begnügend, kochte Hoppe-Seyler eine zwischen zwei Glasplättchen befindliche dünne 
Schicht Milch, gewahrte aber auch hier keine Bildung von Niederschlägen (73 p. 
421). Bei der Filtration von Kuh- und Ziegenmilch durch tierische Membranen, 
z. B. einen mit Wasser und Alkohol ausgewaschenen Harnleiter des Menschen, 
unter 150 mm. Druck der Quecksilbersäule, wurde eine Flüssigkeit erhalten, wel¬ 
che beim Kochen einen Niederschlag ausschied, nach dessen Abtrennung das Fil¬ 
trat von Essigsäure oder Chlorcalcium aufs neue gefällt wurde. Diese Umstände 
hält Hoppe-Seyler für genügende Beweisgründe für das Vorhandensein von Albumin 
in der Milch, wobei er aber vergisst, dass er selbst gefunden hatte, dass gestan¬ 
dene Milch die Fähigkeit erwirbt, beim Kochen Niederschläge auszuscheiden, wie 
oben erwähnt wurde! 
Gleichsam als Antwort auf die von Hoppe-Seyler aufgeworfenen Fragen er¬ 
scheint A. Müller’s Arbeit (122 p. 49). Dieser Forscher zeigte, dass mit verdünnter 
Schwefelsäure bei 30°—40° gefälltes Casein nach dem Auswaschen mit Wasser und 
Aether in verdünnter l°/0-iger Aetznatronlösung und in gewöhnlichem Natrium¬ 
sulfat sich löste, wobei nach der Dialyse der erhaltenen Lösungen die Flüssigkeit 
aus der Diffusionszelle in beiden Fällen in der Wärme nicht gerann! Die Flüssig¬ 
keiten aus der Diffusionzelle reagirten neutral und waren getrübt. 
Was das ausgeschiedene Casein anbetrifft, so scheint Hoppe-Seyler dasselbe '), 
') „Fs entstehen hei dieser Einwirkung der unter einander gut ubereinstinnnen und ebenso 
Aetzalkalien auf die Albuminstoffe zunächst Kör- keine Differenz von dem Casein der Milch zeigen1' 
per, die in den bisher untersuchten Rcactionen (75 p. 188J.
        

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