Bauhaus-Universität Weimar

NOTIZEN ÜBER PIE BILDUNG DES KNOCHENGEWEBES. 
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und den körnigen mit Safranin gefärbten Zellen bestellt nur darin, dass bei 
dem allmäligen Zusammenfliessen der schwarzen Massen die Häufchen eine von 
den an Safraninpräparaten sichtbaren etwas verschiedene Form bekommen, 
was von der Behandlung selbst abhängen dürfte. 
Bei dem Versuch, eine Lösung der Frage nach der Natur dieser schwar¬ 
zen Häufchen und Massen zu finden, stösst man sogleich auf den Zweifel, ob 
man es hier nicht wirklich mit Luft oder Kohlensäure zu thun hat, welch 
letztere durch Einwirkung der freien Essigsäure der Beize auf das Lithiumcar¬ 
bonat in der That sich bilden könnte. Fände hier aber eine solche Wechsel¬ 
wirkung statt, so würde sie ja am ganzen Praparat und nicht bloss an ein¬ 
zelnen Zellen oder bestimmten Gruppen solcher sich offenbaren. Dass Ent¬ 
wicklung freier Kohlensäure nicht statt hat, lässt sich durch directe Versuche 
feststellen, indem man 10°/n-ige Salzsäure zu Präparaten eines durch einen in 
Entwicklung begriffenen Knochen, geführten Schnittes, welcher keine Behandlung 
mit Farben erfahren hat, zusetzt: in den Zellen entstehen weder schwarze Blä¬ 
schen nocli Häufchen, die aut Dissociation des Carbonats hinweisen würden. 
Was die Gegenwart von Luft anbelangt, so habe ich schon Gelegenheit ge¬ 
habt zu erwähnen, wie vorsichtig man dieser Erklärung gegenüber sich ver¬ 
halten müsse; alles, was ich oben darüber gesagt, lässt sich auch auf den ge¬ 
genwärtigen Fall auwenden, nur etwa mit dem Zusatz, dass hier von Verödung 
der Knochenhöhle nicht die Rede sein kann, da beim Beginn des Bildungs- 
processes der schwarzen Häufchen das Protoplasma und der Zellkern vollkom¬ 
men sichtbar sind. 
Aus Obigem folgt, dass wir hier der Bildung einer ganz neuen Substanz 
beiwohnen, die wir bei einer und derselben Behandlungsmethode in keinem an¬ 
dern als dem Knochengewebe finden und welche daher für einen notwendigen 
Bestandteil bei dessen Entwicklung gehalten werden muss. Die Anwendung 
der Entkalkungsmethode an solchen Objecten, an welchen früher das Vor¬ 
handensein schwarzer Körnchen und Häufchen festgestellt worden war, wobei 
das ganze Bild verschwand, berechtigt mich diese Gebilde für Träger irgend 
welcher Kalkverbindungen anzusehen.—Die Thatsache, dass Kalk bei durch¬ 
fällendem Lichte auch ohne jegliche chemische Behandlung schwarz aussieht, 
was übrigens nur für grössere Anhäufungen desselben richtig ist, ist nicht 
neu, und wenn ich die Alizarinmethode anführe, so geschieht dies nur, weil 
dieselbe gestattet dessen Gegenwart in statu nascendi, d. h. in der Periode zu 
beobachten, wenn er sich in fein zerteiltem Zustande befindet und die cha¬ 
rakteristischen optischen Erscheinungen noch nicht an den Tag legt. Man 
braucht nur zwei aufeinander folgende Schnitte eines und desselben Stücks 
zu vergleichen, wobei der eine ohne jegliche Behandlung gelassen, der andre 
geheizt und mit Alizarin behandelt wurde, um von der Richtigkeit des in Be¬ 
zug auf die ersten Momente des Erscheinens dieses Stoffes Gesagten sich zu 
überzeugen. Dies entscheidet aber noch lange nicht die Frage nach der Iden¬ 
tität der schwarzen Einschliessungen und der basophilen Granulirung der Zel¬ 
len der centralen Regionen des jungen Knochengewebes, da es sehr möglich 
ist, dass das eine Stadium nur der Vorgänger des andern ist. Vorläufig kön¬ 
nen wir bloss die morphologische Aehnlichkeit dieser Bildungen feststellen, da
        

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