Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Globulin der weissen Blutkörperchen. Cytoglobin
Person:
Morochowetz, Leo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37678/2/
DAS GLOBULIN DER WEISSEN BLUTKÖRPERCHEN. 
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(p. n. 101, MN» 48—60). Dabei sprechen sich die Autoren dahin aus, dass das Protoplas¬ 
ma (die Hülle) der Körperchen auch in concentrirten Salzlösungen verschwindet (17 
p. 231). Doch kann Henle nicht zugeben, dass concentrirte Salzlösungen das Proto¬ 
plasma (die Hülle) der Eiterkörperchen auflösen, sondern nimmt hier Zusammen¬ 
schrumpfen, Zusammenfallen des Protoplasma an (10 p. 192). In Borax (1:16 H>0) 
quellen die Körperchen stark auf, und der Eiter stellt dann eine geléeartige Masse 
vor. Unter dem Mikroscop verschwammen die Umrisse der Körperchen; durch Zu¬ 
satz von Essigsäure wurden die Eiterkörperchen wieder unterscheidbar (10 p. 192_3). 
Diese Erscheinungen, die jetzt durch die gleichzeitige Einwirkung von Säuren und 
Salzen sich leicht erklären, veranlassten Henle Lehmann & Messerschmidt’s Be¬ 
obachtungen gegenüber sich ungläubig zu verhalten. In der Folge identificirte je¬ 
doch Lehmann (1853, 16 p. 133) diese Körperchen mit dem Muskelfibrin (Myoglobin 
s. Kap. VII).—Auch Virchow (30 p. 86) gab die Löslichkeit sowohl der Eiterkör¬ 
perchen als auch der farblosen Blutkörperchen in neutralen Salzen zu. Denis’s Be¬ 
obachtungen (1856, 2 p. 188) ergaben dieselben Resultate; bei der Behandlung von 
reinem Eiter mit dem doppeltem Volum 10°/o-iger Kochsalzlösung bildet sich eine 
allgemeine zähe Masse, in welcher die Blutkörperchen verschwinden und welche im 
ganzen den Charakter der Stromasubstanz der roten Blutkörperchen vorstellt (ib. 
p. 188). In einem andern Falle behandelte Denis Eiter ebenfalls mit 2 Vol. aber 
schon circa 2°/0-iger Kochsalzlösung, worauf der Niederschlag mit Wasser gewa¬ 
schen wurde; es bildete sich eine zähe, wenig dichte Masse (2 p. 189). Hoppe-Seyler 
(1865, 13 p. 363) filtrirte die Eiterkörperchen ab und fand nach dem Auswaschen 
mit Wasser, dass dieselben in 10°/0-iger Chlornatriumlösung löslich sind, wobei 
eine trübe, dicke, schwer filtrirbare Flüssigkeit entsteht. Das Filtrat scheidet mit 
Wasser Niederschläge aus, welche die Eigenschaften des Myosins (in Kühne’s Sinne) 
aufweisen. In der Folge bedienten sich wie Hoppe-Seyler (1871, 14 p. 492) so 
auch sein Schüler Miescher (20 p. 442) des Glaubersalzes zur Abscheidung der Ei¬ 
terkörperchen von der Eiterflüssigkeit. Miescher wusch die Eiterkörperchen 2—und 
sogar 3-mal mit in der Kälte gesättigter, dann mit dem 9-fachen Vol. Wasser 
verdünnter Natriumsulfatlösung. Nach der Filtration bleibt eine dicke, schleimi¬ 
ge, in Wasser unlösliche Masse zurück. In Kochsalzlösung quellen die Körper¬ 
chen stark auf und bilden eine gallertartige, schleimige Masse; bei Wasserzusatz 
fällt dieser Schleim aber in Flocken aus (ib. p. 444), welche bei der Behandlung 
mit Salzen ihre schleimige Consistenz wieder annehmen, sich jedoch nicht filtri- 
ren lassen. Dieses Aufquellen wird auch gar nicht beobachtet, wenn die Eiterkör¬ 
perchen nach der Ausscheidung mehr als 24—36 Stunden unter Wasser gelegen 
haben. In ‘/2—1%0 Natriumcarbonat lösten die Körperchen sich wieder auf: nach 
der Neutralisation schied das Filtrat in Salzen unlösliche Niederschläge (ib. p. 445) 
aus; nichtsdestoweniger fand Miescher, dass sehr verdünnte (1°/00) Salzsäure aus 
den Körperchen eine bedeutende Menge Prote'inkörper extrahirt, welche folglich 
in dieser Beziehung—Löslichkeit in Salzsäure von erwähnter Concentration—den 
Globulinen analog sind (ib. p, 446). Doch ist Miescher’s Beschreibung seiner Be¬ 
obachtungen weniger einfach als das, was wir soeben dargelegt. Miescher führt, 
wenn nicht die Vorstellung, so doch die Benennung „hyaline Substanz“ 
ein, indem er dieselbe mit Rovida’s Namen verbindet, und scheint unter dieser Sub¬ 
stanz die in seinen Versuchen „aufgequollene“, aber deutlich den Charakter des 
Globulins tragende Substanz zu verstehen. Dieser Umstand bedarf auch noch des¬ 
halb einer Erklärung, weil der Ausdruck „hyaline Substanz“—ohne irgend einen 
Hinweis auf den Ursprung desselben, sowie ohne die nötige Beachtung der Ge¬ 
schichte der Eiterkörperchen — sammt Miescher’s Angaben in Hofmann’s (1883, 
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