Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Theorien der Farbenwahrnehmung. Nach einem in der k. k. Gesellschaft der Aerzte zu Wien gehaltenen Vortrag [Offprint]
Person:
Fleischl, E. v.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37648/4/
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y. Fleischl, Theorien der Farbenwahrnehmung. 
aller möglichen Farben erklären. *— Es genügt eine Dreiheit von 
Empfindungselementen; um alle möglichen Farben zusammenzusetzen. 
Natürlich ist es nicht gleichgiltig, wie man diese drei Empfindungen; 
die sogenannten „Grundfarben“; wählt. Wenn man z. B. sagen würde, 
die eine Farbe soll rot sein, die andere orange und die dritte gelb, 
so würde man nicht einsehen können, wie man durch das Zusammen¬ 
wirken dieser drei Fasergattungen in irgend einem Intensitätsverliält- 
niss auf die Empfindung blau kommen sollte. Wenn man sie aber 
so annimmt, dass sie im Sonnenspectrum ziemlich weit auseinander¬ 
liegen, dann ist es vollkommen gleichgiltig, welche man wählt. Ent¬ 
scheidet man sich z. B. für Gelb, Blau und Purpur, so wäre das schon 
ausreichend. Tatsächlich ist es auch schwer, in dieser Beziehung zu 
einer bestimmten Wahl zu kommen. Anfänglich wählte Young Rot, 
Grün, Blau, dann ersetzte er indess Blau durch Violett. 
Wir haben nun die Frage zu beantworten, wie man bei dieser 
Annahme alle Erscheinungen der Farbenwahrnehmung erklären kann. 
Dass wir eine rote Farbe sehen können, ist leicht verständlich, wenn 
wir Nervenenden in der Netzhaut annehmen, die erregt in uns die 
Empfindung rot hervorrufen. Dass wir feine rote Objecte genau 
sehen können, lässt sich unschwer begreifen, wenn man bedenkt, dass 
der dritte Teil aller Endapparate für solche rote Fasern disponibel 
ist, da wir überhaupt nur dreierlei Fasern haben. — Dass man grüne 
Objekte sehen kann, ist auch verständlich, da wir dafür Fasern haben, 
die durch grünes Licht erregbar sind, und erregt im Centrum die 
Empfindung grün bedingen; aus demselben Grunde erklärt es 
sich, dass wir violette Objekte sehen. Wie sehen wir aber gelb 
oder blau u. s. w.? Auch das ist nicht schwer zu verstehen, wenn 
man sich vorstellt, dass die rot empfindenden Fasern nicht bloß 
angeregt werden, wenn wirklich Licht auf sie fällt, das einer be¬ 
stimmten Wellenlänge entspricht, sondern dass sie auch — wenn¬ 
gleich nicht mit gleicher Intensität — erregt werden, wenn Licht 
von etwas anderer Wellenlänge auf sie fällt. Nehmen Sie z. B. eine 
Stimmgabel von einem bestimmten Ton und schlagen Sie diesen Ton 
an, so tönt die Stimmgabel mit einer gewissen Intensität mit. Sie kommt 
aber auch in, freilich schwächeres Mittönen, wenn Sie einen Ton er¬ 
zeugen, welcher von dem Ton dieser Stimmgabel etwas verschieden ist. 
Man hat sich also vorzustellen, dass die rot empfindenden Fasern 
durch rotes Licht sehr stark erregt werden, durch gelbes Licht 
schwächer, durch blaues und violettes Licht noch schwächer. Durch 
Licht von welcher Wellenlänge immer aber auch diese Fasern erregt 
sein mögen, welches immer die Stärke der Erregung in ihnen sein 
mag: der Effekt den diese Erregung im Centrum bedingt, ist aus¬ 
schließlich die Empfindung: rot. Wenn ich also das Sonnenspectrum 
darstelle, und für jede Farbe eine Höhe auftrage, welche andeutet, 
wie stark durch Licht von dieser Farbe die rot empfindenden Fasern
        

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