Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Sinnesorgane der Seitenlinie bei Fischen und Amphibien [Offprint]
Person:
Schulze, Franz Eilhard
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37637/4/
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F. E. Schulze: 
suchung von oben empfehlen sich die an den Seiten des Schwanzes 
gelegenen Organe, welche man bei platt aufliegendem Schwänze, 
geleitet durch die letzten Ausläufer des Seitennerven unschwer ent¬ 
deckt und selbst mit starken Objectivsystemen studiren kann. Ja, 
es sind nicht einmal so ganz junge Thierchen erforderlich, auch an 
dem abgeschnittenen, platt ausgebreiteten Schwänze erwachsener 
Plötze, Kaulbarsche u. s. w. kann man, wie ich vor einigen Jahren 
zu meiner eigenen Ueberraschung entdeckte, dieselben Gebilde, wenn 
auch weniger deutlich, finden, und bei den hier an der Warnow- 
mündung häufigen Gobius minutus werden sie an dem vollständig 
ausgewachsenen Thiere überall, sowohl in der ganzen Seitenlinie als 
auch in deren Verzweigungen am Kopfe von der nämlichen Form 
angetroffen. Bei diesen letzteren Fischen kommt es aber niemals 
zur Entwickelung von Canälen in der Seitenlinie. Man wird daher 
auch die sonst für den ganzen Sinnesapparat gebräuchliche Be¬ 
zeichnung «Seitencanalsystem« nicht mehr in diesem weiten 
Sinne anwenden dürfen ; ich werde mich vielmehr künftig der ein¬ 
fachen und keine Theorie irgend welcher Art involvirenden Benen¬ 
nungen «Seitenorgane« und «Seitenorgansystem« als allgemeinen 
Ausdruck für das ganze System bedienen, mögen nun die betreffen¬ 
den Organe in Form einfacher hügeliger Hautvorsprünge frei in’s 
Wasser hinausstehen oder als von Leydig sogenannte Nervenknöpfe 
sich im Grunde röhrenförmiger Canäle befinden ; haben wir es doch 
immer mit den Endorganen des Seitennerven (N. lateralis) zu thun. 
Alle frei vorstehenden, hügelförmigen Seitenorgane der Fische be¬ 
stehen im Wesentlichen aus einer Epithelerhebung und zeigen in Form 
und Bau grosse Uebereinstimmung. Der auf einer rundlichen Basis 
von etwa 0,1 Mm. Breite stehende Hügel besitzt eine anfangs ganz 
allmählich ansteigende, nach oben zu aber mehr bauchig vortretende 
Seiten- und eine quer abgestutzte Gipfel-Fläche. Diese letztere setzt 
sich mit einer leicht concaven Landpartie gegen die Seitenfläche ab, 
während sie im Uebrigen eben oder selbst schwach convex er¬ 
scheint. 
In dem Mitteltheile des Hügels selbst lässt sich eine Gruppe 
eigentümlicher Zellen erkennen, welche von cylindrischer oder rich¬ 
tiger nach oben zu etwas conisch verjüngter Form, in je nach der 
Grösse des Organes wechselnder Zahl (10—40) nach Art eines Mei-
        

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