Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Verrichtungen des Grosshirns. Dritte Abhandlung [Offprint]
Person:
Goltz, Friedrich J. v. Mering
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37635/42/
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Fr. Goltz: 
sclimacks sind gleichfalls durch eine beliebige Verletzung der 
Grosshirnrinde nicht dauernd zu verschliessen. Die Handlungen 
des Thieres werden noch durch alle diese Sinne bestimmt, aber 
nicht mehr in normaler Weise. Die Empfindung so wie sämmtliche 
Sinne scheinen stumpf. Die Sinneseindrücke werden nur mangel¬ 
haft für zweckmässiges Handeln verwertket. Ein solches Thier 
vermag sich daher in der Aussenwelt wie an seinem eigenen Körper 
nur schwer zurechtzufinden. 
III. Jeder Hund mit einem namhaften Verlust der Grosshirn¬ 
rinde beider Halbkugeln zeigt eine dauernde Schädigung der In¬ 
telligenz. Ist die Verletzung nicht gross, so versimpelt das Thier 
etwas. Beträgt der Substanzverlust jeder Hälfte vier Gramm, so 
ist die Verdummung schon sehr deutlich, und nach sehr ausge¬ 
dehnter Zerstörung tritt hochgradiger Blödsinn auf. 
IV. Es ist nicht ausgemacht, ob jedes Stück der Hirnrinde 
vollkommen gleiclrwerthig ist. Thiere mit Zerstörung beider Schei¬ 
tellappen zeigen, wie aus meinen bisherigen Versuchen hervorzu¬ 
gehen scheint, dauernd stumpfere Empfindung als solche, welche 
den gleichen Verlust an den Hinterhauptslappen erlitten haben. 
Dagegen scheint die Verletzung der Hinterhauptslappen eine tie¬ 
fere dauernde Sehstörung zur Folge zu haben. 
So habe ich also aus meinen Versuchen die Ueberzeugung 
gewonnen, dass jeder Abschnitt der Rindensubstanz des Grosshirns 
sich an den Funktionen betheiligt, aus welchen wir auf Wollen, 
Empfinden, Vorstellen und Denken schliessen. Jeder Abschnitt 
ist unabhängig von den übrigen, mit allen willkürlichen Muskeln 
durch Leitungen verknüpft und steht andererseits in Verbindung 
mit allen sensiblen Nerven des Körpers. 
Meine Ansicht steht natürlich in schroffem Gegensatz zu der¬ 
jenigen, welche Hitzig und seine Nachfolger aufgestellt haben. 
Hitzig (12) S. 25 sagt z. B.: „Ebenso sicher gestellt ist die 
Thatsache, dass ein beträchtlicher Theil der die grossen Hemi¬ 
sphären zusammensetzenden Nervenmassen, man kann sagen fast 
ihre eine Hälfte in unmittelbarer Beziehung zur Muskelbewegung 
steht, während ein anderer Theil offenbar wenigstens direkt nichts 
damit zu schaffen hat.“ 
Ferner finden sich ebenda S. 31 die Worte „sondern dass 
vielmehr sicher einzelne seelische Funktionen wahrscheinlich alle 
zu ihrem Eintritt in die Materie oder zur Entstehung aus der-
        

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