Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Verrichtungen des Grosshirns. Dritte Abhandlung [Offprint]
Person:
Goltz, Friedrich J. v. Mering
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37635/40/
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Fr. Goltz: 
einem in die Finger. Hält man ihnen die Peitsche unbewegt vor, 
so verrathen sie keine Furcht, verkriechen sich aber, wenn man 
die Peitsche lebhaft bewegt und knallt. Beim Gange vermeiden 
sie alle Hindernisse, auch solche von geringer Breite. Gegen eine 
dünne quer ausgespannte Schnur, welche von gesunden Hunden 
sofort gesehen wird, laufen sie an. Bei allen diesen Thieren lässt 
sich eine Abstumpfung der Empfindung durch alle Proben, welche 
wir kennen gelernt haben, nachweisen. Ihre Bewegungen sind 
sehr lebhaft aber ungeschickt. Kein Muskel ist gelähmt oder auch 
nur paretisch. 
Ferner habe ich mehrere Monate nach der letzten Operation 
einen Hund beobachten können, welchem Herr Dr. v. Mering 
beiderseits den Schläfenlappen, also dasjenige Stück der grauen 
Binde weggenommen hatte, welches Munk als Hörsphäre bezeichnet. 
Das Thier war allerdings Schalleindrücken gegenüber stumpf aber 
durchaus nicht taub. Daneben zeigte es deutliche Sehstörung und 
Stumpfheit der Empfindung. Kurz, es verhielt sich durchaus ähn¬ 
lich wie ein Thier mit beiderseits vernichtetem Scheitellappen. 
Einen Hund, welchem ich beiderseits eine grosse Zerstörung 
des Hinterhauptlappens zugefügt hatte, konnte ich nur vierzig Tage 
nach der letzten Operation beobachten. Dieses Thier hatte bis 
zu seinem Tode eine hochgradige Sehstörung, war indess nicht 
blind. Es hörte auf beliebige Hundenamen, fand sich aber nicht 
zurecht, um zu dem Kufenden zu gelangen. Die Intelligenz war 
beträchtlich vermindert. Eine Abstumpfung der Empfindung, die 
in der ersten Zeit nach der Operation deutlich merkbar war, konnte 
kurz vor dem Tode des Thieres nicht mehr nachgewiesen werden. 
Bewegungsstörungen waren durchaus nicht vorhanden. 
Alle diese Tliiere, sie mochten die doppelseitige Operation 
am Scheitel-, Schläfen- oder Hinterhauptslappen erfahren haben, 
reagirten nicht mehr in normaler Weise auf gewisse Geruchsein¬ 
drücke. Sie äusserten, wenn ihnen der Chloroformapparat vorge¬ 
halten ward, nicht den Widerwillen, den ein normaler oder nur 
einseitig operirter Hund äussert. 
Endlich will ich noch kurz erwähnen, dass Herr Dr. Mool- 
man in meinem Laboratorium Versuche angestellt hat über die 
Folgen einer Zerstörung des Stirnlappens. Ich kann mich hier 
auf die Angabe beschränken, dass die dauernden Störungen nach 
dieser Operation weit geringfügiger sind als die nach Eingriffen
        

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