Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die physiologische Bedeutung der Bogengänge des Ohrlabyrinths [Offprint]
Person:
Goltz, Friedrich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37631/6/
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Prof. Fr. G oit z : 
durchtrennen kann, so könnte man den Verdacht aussprechen, die 
oben genannten Gleichgewichtsstörungen seien abhängig von der un¬ 
vermeidlichen Beschädigung des Gehirns. Um mich vor dieser 
Fehlerquelle zu sichern, beschloss ich, die Hörnerven ausserhalb der 
Schädelhöhle zu durchschneiden oder deren peripherische Endaus¬ 
breitungen im Gehörorgan selbst zu zerstören. Auf verschiedene 
Weise habe ich diesen Zweck erreicht. Beim Frosch lässt sich der 
Schädeltheil, welcher das Gehörorgan enthält, ohne Schwierigkeit 
von der Kapsel, welche das Gehirn einschliesst, abtrennen. Ich habe 
diese Abtrennung in einigen Fällen mittelst einer feinen Stichsäge, 
in andern Fällen durch einen scharfen Meissei bewirkt. Am wenig¬ 
sten verwundend und frei von störender Erschütterung ist das fol¬ 
gende Verfahren : Ich lege zunächst durch gekreuzte Haut¬ 
schnitte die Felsenbeine beiderseits bloss und schäle sodann mit 
Hülfe eines feinen und sehr scharfen Hohl meisseis die Masse des 
Knochens soweit heraus, dass das Gehörorgan vollständig vernich¬ 
tet wird. 
Die Folgen der Operation waren bei allen Verfahren dieselben. 
Das Thier springt losgelassen davon, aber der Sprung ist ungeschickt. 
Meist schnellt es sich fast senkrecht in die Höhe, stürzt nachher 
auf die Seite oder den Bücken und dreht sich wiederholt um seine 
Achse oder macht Reitbahnbewegungen. Nach einiger Zeit besänf¬ 
tigen sich die ebenso stürmischen wie zweckwidrigen Bewegungen 
und das Thier sitzt ruhig da. In manchen Fällen unterscheidet sich 
dann seine Haltung nicht von der eines unversehrten Frosches. Meistens 
aber wird der Kopf ein wenig schief gehalten, so dass der Abstand 
beider Augen vom Erdboden verschieden ist. Macht man jetzt mit 
dem Thiere die Versuche über Erhaltung des Gleichgewichts, so 
ergibt es sich, dass dasselbe ebenso wenig Geschick hat, das Gleich¬ 
gewicht zu behaupten, wie ein Frosch, dem man die Hörnerven in 
der Schädelhöhle durchschnitt. Viele von den so operirten Thieren 
sterben schon wenige Tage nach dem Eingriff. Manche gelingt es 
längere Zeit am Leben zu erhalten, und diese gewinnen auch nach 
vollständiger Vernarbung der Wunden nie wieder die frühere Fähig¬ 
keit, das Gleichgewicht zu behaupten. 
Diese Versuche lehren, dass die Zerstörung des Gehörorgans 
auf beiden Seiten ganz in derselben Weise die Erhaltung des Gleich¬ 
gewichts beeinträchtigt, wie Durchschneidung der betreffenden Ner¬ 
ven. Erwähnt sei noch, dass, wenn ich die genannte Operation nur
        

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