Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber den Einfluss des Nervensystems auf die Vorgänge während der Schwangerschaft und des Gebärakts (Vorgetragen im naturwissenschaftlich-medicinischen Verein zu Strassburg am 30. October 1874) [Offprint]
Person:
Goltz, Friedrich A. Freusberg
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37630/5/
Ueber d. EinfL d. Nervensyst. auf d. Vorgänge während d. Schwangersch. 555 
Fresslust nachher erstaunlich. So konnten wir bald als festgestellt 
erachten, dass die Hündin trächtig sei, und erwarteten mit Span¬ 
nung, ob die Geburt zu regelmässiger Zeit eintreten würde. Einer 
Reise wegen vermochte ich selbst diesen Zeitpunkt nicht abzuwarten, 
sondern überliess die weitere Beobachtung Herrn F re usberg. Als 
der Institutsdiener am 10. August Morgens 6V2 Uhr zuerst nach 
der Hündin sah, fand er, dass diese während der Nacht ein leben¬ 
des kräftiges Junge geboren hatte, das sauber trocken geleckt und 
dessen Nachgeburt verschwunden, also offenbar von der Mutter 
verzehrt war. Die Hinterfüsse eines zweiten Jungen ragten aus der 
Scheide hervor. Der Diener zog an diesen und förderte ein todtes 
Thierchen heraus. Die Mutter machte sich sofort über dasselbe her, 
frass die Nachgeburt auf und leckte die kleine Leiche. An der 
Hündin Hessen sich von Zeit zu Zeit rhythmische Beugungen und 
Streckungen der Hinterbeine wahrnehmen, welche von Zusammen¬ 
ziehungen des Sphincter ani begleitet waren und offenbar mit Ge¬ 
burtswehen zusammenfielen. Herr Freusberg, welcher inzwischen 
hinzugekommen war, führte einen Finger in die Scheide ein und 
fühlte den Kopf eines dritten Jungen noch über dem Becken ste¬ 
hend. Während der Finger in der Scheide lag, fühlte er, so oft 
sich die Bewegungen der Beine wiederholten, jedesmal gleichzeitig 
Zusammenziehungen der inneren Beckenmuskulatur. Die Scheide 
selbst blieb schlaff. Dieses dritte Junge rückte nur äusserst lang* 
sam vor. Erst am folgenden Morgen gelang es dem Institutsdiener, 
mit zwei Fingern eingehend, die Kopfhaut desselben zu fassen und 
es herauszuziehen. Es war todtfaul, missfarbig und offenbar schon 
Tags zuvor abgestorben. Dennoch verschlang die Hündin sofort die 
Nachgeburt, zerbiss die Nabelschnur und leckte auch diese Leiche 
unermüdlich. Das einzige lebende Junge sog zuerst nur an den 
Zitzen der vorderen Drüsen, später auch an den hinteren. Die 
Mutter behandelte dasselbe mit grosser Zärtlichkeit. Wurde es von 
ihr entfernt und in eine Ecke des Kastens gelegt, so rutschte sie 
sogleich an dasselbe heran. Nahm man das Junge auf, so verwen¬ 
dete sie keinen Blick von demselben und jammerte so lange, bis 
es ihr zurückgegeben ward. Wenn das Junge seinen Durst stillte, 
leckte sie es oder legte ihren Kopf auf dasselbe. Das Allgemein¬ 
befinden der Hündin liess leider sogleich einen ungünstigen Ausgang 
voraussehen. Sie frass nach Geburt des ersten Jungen, abgesehen 
von der Nachgeburt, nichts mehr und hatte ein trauriges Aussehen.
        

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