Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber gefässerweiternde Nerven: Zweite Abhandlung [Offprint]
Person:
Goltz, Friedrich A. Freusberg E. Gergens
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37629/45/
96 
Fr. Goltz: 
Gedankenreihe gezogen habe. Der Leser aber möge aus dieser 
Notiz ersehen, dass meine Auffassung, die Durchschneidung wirke als 
Reiz auf den Nerven, keinesweges so allen Ueberganges baar in die 
physiologische Betrachtungsweise hineingeschneit ist, als dies vielleicht 
auf den ersten Anblick scheint. 
Der nervus lingualis und n. glossopharyngeus liefern also aus¬ 
gezeichnete Belege für den von mir vertretenen Satz, dass die ein¬ 
fache Durchschneidung gewisser Nerven an der Peripherie Aehn- 
liches hervorbringen kann, wie die Reizung desselben Nerven und 
dass man deshalb die Durchschneidung als einen Reiz massigen 
Grades bezeichnen kann. Beim Hüftnerven liegen die Verhältnisse 
nicht ganz so klar. 
Anhaltende Reizung dieses Nerven bringt zwar auch Ge- 
fässerweiterung zu Stande und eine hochgradigere als die einfache 
Durchschneidung; aber im Beginn der Reizung sieht man häufig 
deutliche Zusammenziehung der Gefässe. Das bequemste Hülfsmittel, 
um diese Thatsache zu erklären, scheint die Annahme, dass der 
Hüftnerv zweierlei Arten von Gefässnerven enthält, gefässverengernde 
und gefässerweiternde Fasern. Erstere, diegefässverengernden, würden 
sich vor den andern dadurch auszeichnen, dass sie viel schneller er¬ 
müden und viel schwerer erregbar sind. Wenn ich also bei anhal¬ 
tender elektrischer Reizung des Hüftnerven zuerst Verengerung und 
dann enorme Erweiterung der Gefässe bekomme, so wäre das End¬ 
ergebnis daraus abzuleiten, dass inzwischen die gefässverengernden 
Nerven unerregbar geworden und nur noch die gefässerweiternden 
thätig geblieben sind. Die andere Thatsache aber, dass gewisse 
Formen der Reizung, z. B. die einfache Durchschneidung sofortige 
Gefässerweiterung erzeugen, würde man so deuten können, dass eine 
so milde Form der Reizung nur die gefässerweiternden Fasern an¬ 
regt und die gefässverengernden unberührt lässt. Ich leugne nicht, 
dass diese Betrachtungsweise etwas sehr gekünsteltes hat, und würde 
sie gern gegen eine solche vertauschen, welche mit der Annahme 
einer einzigen Art von Gefässnerven auskommt. Man könnte ja 
daran denken, dass vielleicht Unterschiede des Grades des Reizungs¬ 
zustandes in einem und demselben Nerven an der Peripherie bald 
Verengerung bald Erweiterung der Gefässe herbeiführen. Für jetzt 
aber scheint es mir nicht erlaubt, diesen Gedanken durchzuführen; 
denn es scheint ihm vor Allem eben die schwierige Thatsache ent¬ 
gegenzustehen, dass nach Reizung gewisser Nerven immer nur Ge-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.