Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber gefässerweiternde Nerven: Zweite Abhandlung [Offprint]
Person:
Goltz, Friedrich A. Freusberg E. Gergens
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37629/4/
Ueber gefässerweiternde Nerven. 
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Die genannten Verfasser nehmen an, dass der Tonus der Ge- 
fässe des normalen Thieres allein von den vasomotorischen Centren 
abhängt, welche im verlängerten Mark und Rückenmark gelegen 
sind. Diese Centren sind in immerwährender Thätigkeit und ebenso 
die vasomotorischen Nerven, welche sie mit den Gefässmuskeln ver¬ 
binden. Wird ein vasomotorischer Nerv durchschnitten, so wird ein 
gewisses Gef assgebiet des Tonus beraubt, aber nicht für immer. 
Nach einer gewissen Zeit erstarken die vorhin unthätigen Endein¬ 
richtungen an den Gefässen selbst und übernehmen dann als stell¬ 
vertretende peripherische Centren vollständig die Rolle der ausser 
Dienst gesetzten Centren im Rückenmark und Hirn. Mir scheint, 
dass diese Hypothese so viel künstliche Voraussetzungen zu Hülfe 
nimmt, dass ich sie für unannehmbar halte. Ich frage, was haben 
diese hypothetischen nervösen Einrichtungen zu thun, so lange keine 
Nerven durchschnitten sind? Nach Putzeys und T ar ch an off 
wären sie bei der grossen Mehrzahl aller Einzelwesen bis zum Tode 
zu einem ewigen Schlummer verurtheilt, aus dem sie nur ausnahms¬ 
weise geweckt werden, sobald sich eine Nervenverwundung ereignet. 
Eine solche Fülle von Nerveneinrichtungen soll normaler Weise zeit¬ 
lebens unthätig sein und doch erregbar bleiben? Das sind sehr ge¬ 
waltsame Annahmen, zu deren Stützung es an jeder Analogie fehlt. 
Wenden wir uns zu einem zweiten kaum minder bedenklichen 
P unkt. Putzeys und T a r c h a n o f f nehmen in üebereinstimmung 
mit der geläufigen Lehre der Handbücher an, dass die gefässveren- 
gernden Nerven fortwährend thätig sind. Sie werden erst dann 
ausser Thätigkeit gesetzt, wenn sie durchschnitten werden. Auf 
das Mass ihrer früheren Thätigkeit kann man also schlossen aus 
der Erweiterung der Gelasse, welche ihrer Lähmung folgt. Wählen 
wir ein Beispiel. Wir haben einen gesunden kräftigen Hund vor 
uns und beobachten ihn bei einer Zimmertemperatur von 15 Grad. 
Wir legen ihm ein Thermometer zwischen die Zehen eines Hinter- 
fusses und dieses zeigt 22 Grad. Jetzt durchschneiden wir bei dem 
Thier einen Hüftnerv. Eine halbe Stunde später zeigt das Thermo¬ 
meter an derselben Stelle der gelähmten Pfote nunmehr 37 Grad. 
Niemand zweifelt daran, dass diese Temperaturerhöhung veranlasst 
ist durch die Erweiterung der Gefässe, welche nach der Durchschnei¬ 
dung des Hüftnerven zu Stande kam. Vor der Durchschneidung, 
so sagt die herkömmliche Ansicht, waren die Gefässe enger, weil 
ihre Muskeln in einer andauernden Zusammenziehung waren, welche
        

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