Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber gefässerweiternde Nerven: Zweite Abhandlung [Offprint]
Person:
Goltz, Friedrich A. Freusberg E. Gergens
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37629/36/
Ueber gefässerweiternde Nerven. 
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Rückenmarks keinen bemerkenswerthen Einfluss hatte auf die Tem¬ 
peratur der Vorderpfoten. Es ist dies ohne Weiteres verständlich, 
wenn man erwägt, dass keine nachweisbare nervöse Verbindung 
zwischen der zweiten Rückenmarkswunde und dem Vorderthier be¬ 
stand. Ebenso wenig wurden die übrigen Funktionen des Vorder¬ 
thiers durch die zweite Verwundung sichtbar beeinträchtigt. Das 
Thier frass während der Operation ruhig weiter und nahm von dem 
was an seinem isolirten Lendenmark vorging gar keine Notiz. Furcht¬ 
bar dagegen waren die Verheerungen, welche die zweite Verwundung 
des Rückenmarks in den Reilexerscheinungen anrichtete, welche 
vom Lendenmark als Centrum abhängen. Sofort nach der Durch¬ 
schneidung des Lendenmarks trat Harnentleerung ein, und von jetzt 
an bis zum Tode blieb die Blase gelähmt. Der Harn träufelte an¬ 
dauernd von selbst ab, Kitzeln der Dammgegend oder der Vorhaut 
hatte keine Spur von Einfluss mehr auf die Harnentleerung. Eben 
so wenig gelang es nach der zweiten Verwundung jemals wieder auf 
reflektorischem Wege Erection zu erzielen. Ferner erschien der 
Afterschliessmuskel andauernd schlaff und jedes Tonus beraubt, so 
dass die Schleimhaut des Mastdarms frei aus dem etwas geöffneten 
After hervortrat. Bei Einführung des Fingers in den After fühlte 
man nicht mehr den gewohnten Widerstand und nahm keine Spur 
mehr wahr von den vorhin so regelmässigen rhythmischen Zusammen¬ 
ziehungen des Afte-rschliessers. Die im Mastdarm vorhandenen 
Kothmassen rückten lediglich vermöge der wurmförmigen Bewegun¬ 
gen allmälig weiter. Eine in grösseren Pausen erfolgende massen¬ 
weise Kothentleerung fand nicht mehr statt. Kurz, alle Reflexer¬ 
scheinungen, deren Centrum sich im Lendenmark befindet, blieben 
bis zum Tode des Thieres vollständig erloschen. Am 8. April wurde 
der rechteHüftnerv dieses Thieres dem Versuch mit dem Heiden- 
hain’schen Tetanomotor unterworfen, welcher oben geschildert ist. 
Da inzwischen die Bluttemperatur des Thieres langsam gesunken 
war (bis auf 38,6) und das traurige Aussehen desselben den Tod in 
nicht zu langer Zeit erwarten liess, so sollte der Hund noch an 
demselben Tage, am 8. April, einem anderen Versuch unterworfen 
werden, starb aber während der Chloroformirung. Bei der Sektion 
der Leiche, welche durch Herrn Schiefferdecker ausgeführt 
wurde, fand sich, dass der am 5. April gemachte Schnitt genau quer 
durch den unteren Theil der Lendenanschwellung des Rückenmarks 
gegangen war. Der noch erhaltene Rest der Lendenanschwellung
        

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