Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber gefässerweiternde Nerven: Zweite Abhandlung [Offprint]
Person:
Goltz, Friedrich A. Freusberg E. Gergens
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37629/16/
Ueber gefässerweiternde Nerven. 
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dass die einfache und noch weit mehr die vielfältige Durchschnei¬ 
dung des Nerven eine eigentümliche Zustandsveränderung in dem 
Nerven hervorbringt, in Folge deren sich ein Etwas in dem Nerven 
fortpflanzt, welches in demjenigen Gebiete eine Gefässerweiterung 
veranlasst, in welchem die peripherische Ausbreitung des Nerven 
aufgeht. Wenn ich gesagt habe und noch sagen werde, der Schnitt 
reizt gefässerweiternde Nervenfasern, so soll das lediglich ein kür¬ 
zerer Ausdruck für die eben angeführte vorsichtigere Fassung sein. 
Es kann die Frage aufgeworfen werden : Wie lange bleibt ein vom 
Rückenmark abgetrennter Nerv einer erneuten Durchschneidung 
gegenüber erregbar? Auf diese Frage weiss ich aus Mangel an 
Erfahrung über diesen Punkt keine zuverlässige Antwort zu geben. 
Doch scheint es mir der Mühe werth, einen darauf bezüglichen 
Fall hier anzugeben. 
Einem sehr kräftigen noch nicht ausgewachsenen Hunde wurde 
am 18. October 1874 das Rückenmark durchschnitten. Erst am 
22. Februar 1875 wurde bei dem Thiere, das inzwischen zu vielen 
Beobachtungen über Reflexe gedient hatte, der linke Hüftnerv hoch 
oben durchtrennt. Die Wunde wurde zugenäht und heilte schnell. 
Am 12. März 1875, d. i. 18 Tage nach der Durchschneidung des 
Nerven wurde das Thier abermals vorgenommen. Unmittelbar nach 
der Durchschneidung des Nerven hatte die Temperatur des linken 
Fusses 37,3 Grad betragen. Heute, d. i. 18 Tage später, ist die 
Temperatur der Pfote bis auf 16,0 Grad gesunken, also sehr star¬ 
ker Tonus in der gelähmten Pfote. Die andere nicht gelähmte 
Pfote zeigt die auffallend hohe Temperatur von 32,8 Grad. Es 
wird jetzt die vernarbte Wunde des linken Schenkels geöffnet und 
der peripherische Stumpf des Hüftnerven aufgesucht; derselbe 
wird frei präparirt, hervorgezogen und in bekannter Weise metho¬ 
disch eingekerbt. Der Nerv war bereits atrophirt und blutet bei 
den Einkerbungen gar nicht. Nach Abschluss der Einkerbungen 
wird die Temperatur beider Hinterfüsse abermals verglichen. Am 
linken Hinterfuss werden 18,0 Grad, am rechten 30,6 Grad abge¬ 
lesen. Im Verlauf des Versuchs hat also links ein Ansteigen der 
Temperatur um 2 Grad, rechts ein Abfall von 2,2 Grad stattge¬ 
funden. Nach der grossen Reihe von Erfahrungen, auf die ich mich 
jetzt stützen kann, möchte ich auf diese geringen Schwankungen so 
gut als nichts geben. Aenderungen der Hauttemperatur um 2 Grad 
können leicht Vorkommen, wenn die Zimmertemperatur auch nur
        

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