Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Druckverhältnisse im Innern des Herzens [Offprint]
Person:
Goltz, Friedrich Justus Gaule
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37628/21/
Ueber die Druckverhältnisse im Innern des Herzens. 
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Wir versahen das mit Wasser gefüllte Minimum-Manometer am 
Ende mit einer stählernen Kanüle, die in der Weise wie die Ka¬ 
nülen der Pravaz’schen Spritzen mit einer scharfen Spitze ver¬ 
sehen war. Die Kanüle wurde nun ohne Weiteres in die linke 
Kammer des blossliegenden Herzens hineingestossen. Eine Saug¬ 
wirkung kam wohl bei diesem Versuch zur Erscheinung, aber das 
Manometer fiel kaum unter den Nullpunkt, und wir haben deshalb 
diese Methode bald wieder verlassen. 
Die einzige ausgezeichnet brauchbare Methode den minimalen 
Druck im linken Herzen zu bestimmen bestand also in der Ein¬ 
führung des Katheters von der Aorta her. Wegen technischer 
Schwierigkeiten ist dieses Verfahren nur bei grossen Thieren an¬ 
wendbar. 
Nachdem wir also festgestellt haben, dass auch unabhängig 
von der Athmung der Minimaldruck im linken Herzen bis auf 
— 320 mm Wasser gleich —- 23,5 mm Quecksilber sinken kann, so 
erscheint der Versuch, welcher in Figur 6 seinen Ausdruck fand, 
jetzt in einem ganz neuen Lichte. Wir ermittelten damals bei 
einem Hunde mit natürlicher Athmung im linken Herzen einen 
minimalen Druck von — 52 mm Quecksilber. Es ist nun eine 
durchaus offene Frage, wie viel von dieser Grösse auf Rechnung 
der Saugkraft des Herzens, und wie viel auf Rechnung der Ein- 
athmung zu setzen ist. Wir sind überzeugt, dass die Zahl von 
— 23,5 mm Quecksilber durchaus noch nicht die Grenze der Saug¬ 
kraft des linken Herzens ausdrückt, sondern dass das im unver¬ 
sehrten Brustkorb arbeitende Herz eine noch mächtigere Ansaugung 
entfaltet. 
Um hinter das Wesen dieser merkwürdigen Saugkraft des 
diastolischen Herzens zu kommen, haben wir ferner Versuche an 
frischen todten Herzen angestellt. Der grundlegende Versuch ist 
merkwürdiger Weise von einem Manne angegeben worden, der ihn 
nicht zu würdigen wusste. Ludwig Fick *) legte ein ausgeschnitt- 
nes Thierherz in Wasser und ahmte die rhythmische Thätigkeit 
desselben dadurch nach, dass er es rhythmisch zusammenpresste 
und dann wieder freiliess. Es gelang ihm auf diese Weise einen 
regelmässigen Wasserstrom durch das Herz und die Aorta hin¬ 
durch zu erzeugen. Gleichwohl leugnete er, dass das Herz bei 
1) Müllers Archiv 1849.
        

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