Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Druckverhältnisse im Innern des Herzens [Offprint]
Person:
Goltz, Friedrich Justus Gaule
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37628/20/
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Fr. Goltz und J. Gaule: 
Der Beweis, dass das Herz bei der Diastole wie eine Säug¬ 
pumpe arbeitet, könnte in durchsichtigster Weise geführt werden, 
wenn es mit Leichtigkeit gelänge die Saugwirkung am ausge¬ 
schnittenen Herzen zu zeigen. Dergleichen Versuche sind aber 
durchaus nicht so einfach, als dies auf den ersten Blick scheint. 
Wenn es schon richtig ist, dass das ausgeschnittene Herz des 
Säugethiers noch eine Reihe von Minuten seine Bewegungen fort¬ 
setzt, so sind diese Bewegungen doch zu schwächlicher Natur, um 
eine erhebliche Saugwirkung bei der Diastole zu erzeugen. Zumal 
die lange anhaltenden mehr wurmförmigen Bewegungen, welche 
dem Tode des Herzens vorangehen, sind ohne jede Saugwirkung, 
weil sich während derselben das Herz nie vollständig entleert. 
Unsere Bemühungen an ausgeschnittnen Herzen die Saug¬ 
wirkung nachzuweisen, waren daher von sehr geringem Erfolge. 
Unser Verfahren war dabei folgendes. Das Minimum-Manometer 
wurde mit künstlichem Serum gefüllt und mit einer passenden 
Kanüle verbunden. In das linke Herzohr des schnell herausge- 
schnittnen zuckenden Herzens wurde ein Schlitz gemacht und 
durch diesen die Kanüle bis in die linke Herzkammer geführt. 
Darauf wurde die Kanüle durch eine Ligatur festgebunden, welche 
zuvor um beide Vorhöfe gelegt Avar. Die Aorta und arteria pul- 
monalis Avurden natürlich freigelassen. Ein grosser Uebelstand 
bei diesen Versuchen ist, dass das Herz unmittelbar nach Zuziehung 
der Ligatur zunächst einige Zeit stillsteht, da man ja einen S tan¬ 
nin s’schen Ligaturversuch damit gemacht hat. Bald kehren dann 
zwar die Zusammenziehungen des Herzens wieder; aber sie haben 
in der Regel keine nennensAverthe Saugwirkung. Alle unsere an 
ausgeschnittnen Hundeherzen angestellten Versuche blieben unbe¬ 
friedigend. An Kaninchenherzen gelingen dieselben eher, weil 
diese zählebiger sind. So konnte an einem Kaninchenherzen eine 
Ansaugung einer Säule atoii 30 mm Serum nachgewiesen Averden. 
Auch an Hundeherzen kann man übrigens die Saugwirkung deut¬ 
lich zur Anschauung bringen, Avenu man die mattgewordnen Sy¬ 
stolen dadurch verstärkt, dass man das Herz mit den Fingern zu¬ 
sammendrückt. Versuche mit den Herzen sehr grosser Frösche 
waren auffälliger Weise ganz ohne Ergebniss. Es Avar nicht mög¬ 
lich an ihnen eine Ansaugung bei der Diastole sicher zu beAveisen. 
Eine andere Versuchsform, die auf den ersten Blick sehr ein¬ 
ladend scheint, lieferte uns ebenfalls keine genügenden Ergebnisse.
        

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