Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Verrichtungen des Grosshirns. Zweite Abhandlung [Offprint]
Person:
Goltz, Friedrich E. Gergens
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37627/3/
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Fr. Goltz: 
In der nachfolgenden Beschreibung werde ich die in meiner 
ersten Abhandlung gewählte Eintheilung testhalten, obwohl es miss¬ 
lich ist, Erscheinungen in einzelne Gruppen zu zerlegen, die unter 
einander so innig Zusammenhängen und gegenseitig bedingt sind. 
Den höchsten Werth werde ich auch hier wieder auf diejenigen 
Störungen legen, welche dauernder Natur sind und als Aus¬ 
fallserscheinungen angesehen werden müssen. Von gerin¬ 
gerer Bedeutung sind die Störungen vorübergehender Natur, welche 
grossentheils den Hemmungserscheinungen zuzuzählen sind. 
Störungen der Empfindung nach Verstümmelung beider Hälften 
des Hrosshirns. 
Ich habe gezeigt, dass nach Durchspülung einer Hälfte des 
Grosshirns regelmässig eine Abstumpfung der Empfindung auf der 
gekreuzten Seite zurückbleibt. Unmittelbar nach der Verletzung 
ist diese Störung am hochgradigsten. Später schwächt sie sich all- 
mählig ab ; aber selbst nach monatelanger Beobachtung ist ein Un¬ 
terschied in der Hautempfindung beider Seiten erkennbar. Da ich 
in dieser neuen Versuchsreihe die erste Operation immer nur auf 
einer Seite und zwar links machte, so konnte ich die in der ersten 
Abhandlung ausführlich beschriebenen Beobachtungen immer wieder 
von Neuem prüfen und bestätigen. Ich will sie ausserdem durch 
einige neue Mittheilungen ergänzen. Häufig sieht man, dass Thiere, 
die nur einmal und zwar links operirt sind, nach Heilung der 
Wunde beim Umherwandern mit der rechten Körperseite an den 
umherstehenden Gegenständen derb anstreifen, während sie es stets zu 
vermeiden wissen, mit der linken Seite irgendwo anzustossen. Die Er¬ 
scheinung hängt gewiss zum Theil davon ab, dass sie mit dem rech¬ 
ten Auge mangelhaft sehen, aber zum Theil auch davon, dass sie 
wegen der stumpferen Empfindung rechterseits die Beleidigung der 
Haut nicht merken. 
Ein Hund, der gleichfalls einmal und zwar links einen Hirn¬ 
verlust überstanden hatte, war sehr zum Spielen aufgelegt. Ich 
zupfte ihn neckend an den Haaren bald links bald rechts, und er 
theilte mir Bisse zum Spass aus, sobald ich ihn linkerseits zerrte. 
So oft ich ihn aber rechts mit derselben Stärke zupfte, blieb er 
theilnahmlos. 
Von besonderem Interesse scheint mir noch folgender Versuch,
        

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