Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Verrichtungen des Grosshirns. Zweite Abhandlung [Offprint]
Person:
Goltz, Friedrich E. Gergens
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37627/21/
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Fr. Goltz; 
stockblinder alter Hund in seiner Umgebung zurechtfindet, wie 
ruhig und vollständig er seine Mahlzeit verzehrt, wie zuverlässig 
er auf seinen Herrn zuschreitet, wer dies Alles beobachtet hat, 
kann nicht im Zweifel sein, dass bei den verstümmelten Hunden 
ausser dem Auge noch mindestens ein anderer Sinn mangelhaft 
sein muss. 
Warum findet sich ein blinder Hund mit unversehrtem Gehirn 
so vortrefflich zurecht? Offenbar weil er die Geruchs- und zum 
Theil auch die Gehörswahrnehmungen zu verwerthen weiss zur Be- 
urtheilung der Lage der Dinge im Raume. Nun haben wir gesehen, 
dass bei den verstümmelten Hunden der Geruchssinn und das Ge¬ 
hör nicht merklieh geschädigt sind. Warum wissen sie trotzdem 
die Wahrnehmungen durch diese Sinne nicht zweckmässig für ihr 
Handeln zu benutzen? Den Schlüssel zu einer Antwort scheint mir 
folgende Betrachtung zu liefern: 
Die Empfindungen, welche uns durch Vermittelung der Organe 
des Geruchs und Gehörs zugehen, sind an sich mit keiner festen 
Raumempfindung verknüpft. Wir gelangen vielmehr zu einer deut¬ 
lichen Vorstellung von dem Ort, woher ein Duft ausströmt oder von 
der Lage einer Schallquelle erst durch Mitwirkung anderer Empfin¬ 
dungen. Ein Wild, welches einen verfolgenden Feind wittert, dreht 
den Kopf nach allen Seiten, so lange, bis es diejenige Haltung des 
Kopfes herausgefunden hat, bei welcher die Geruchsempfindung am 
lebhaftesten ist. Es weiss dann, dass der Feind sich vor der Nase 
befindet, in der Richtung der sagittalen Achse des Kopfes. Jeder¬ 
mann weiss, welch groben Irrthümern wir in der Beurtheilung der 
Lage einer Schallquelle ausgesetzt sind. Wir wähnen oftmals z. B. 
ein Geräusch vor uns zu hören, das hinter uns entsteht. Wollen 
wir einigermassen sicher gehen in der Schätzung der Richtung, aus 
welcher uns ein Schall trifft, so nehmen wir gleichfalls Bewegungen- 
des Kopfes und des Körpers zu Hilfe und beurtheilen dann je nach 
der Veränderung, welche die Schallempfindung auf dem einen oder 
anderen Ohr erfährt, die Lage der Schallquelle. Selbsverständlich 
aber können wir die Empfindungen, welche wir bei einer bestimm¬ 
ten Haltung oder Bewegung unseres Körpers erhalten, nur dann 
richtig verwerthen, wenn diese Empfindungen selbst durch normal 
thätige Organe vermittelt werden. Die Kenntniss von der Lage 
unseres Körpers im Raume und von der Stellung der verschiedenen 
Theile des Körpers zu einander gewinnen wir durch den Tastsinn,
        

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