Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Verrichtungen des Grosshirns. Zweite Abhandlung [Offprint]
Person:
Goltz, Friedrich E. Gergens
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37627/19/
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Fr. Goltz: 
Hanswurst’s. Thiere mit grossem Substanz vertust ruhen viel und 
lange aus und sind nach der Mahlzeit kaum zum Aufstehen zu bringen. 
Ausserordentlich gross sind die Störungen, welche die Thiere 
bei der Aufsuchung der Nahrung zeigen. Setzt man einem Hunde 
mit grossem Substanzverlust eine Schale mit Fleisch hin, so weiss 
er sie nur schwierig zu finden. Durch den Geruch aufmerksam ge¬ 
worden, sucht er nach der Speise, geht aber oft unmittelbar an der 
Schale vorbei ohne sie zu treffen. Führt man seine Schnauze mitten 
in die Schale, so fasst er gierig die ersehnte Beute mit den Zähnen, 
lässt aber die Fleischstücke zu beiden Seiten aus dem Maule wieder 
herausfallen. Von Neuem nach der Nahrung schnappend beisst er 
oft fehl. Ich sah, dass eine Hundin, deren früher bei den Sehstörungen 
schon gedacht wurde, den Rand der Schale mit den Zähnen fasste 
und die ganze Schale empor hob, als wenn sie Fleisch gefasst hätte. 
Ein ander Mal biss sie in die Kette, welche zufällig quer über die 
Fleischschüssel zu liegen kam. Ein anderer Hund war, als ihm seine 
Fleischportion vorgesetzt wurde, mit dem einen Vorderfusse hinein¬ 
gestiegen. Beim Fressen biss er sich mit voller Kraft in den eignen 
Fuss, dass er vor Schmerz laut aufschrie. Diese Erfahrung witzigte 
ihn indess so wenig, dass sich dieselbe Scene noch mehrere Tage 
hindurch wiederholte. Der betreffende huss wurde durch die fort¬ 
gesetzten Misshandlungen zum Theil seiner Haare beraubt. Oftmals 
beissen sie in den leer gewordenen Grund der Schüssel, während rechts 
und links davon noch reichlich Fleisch lagert. Die Brocken, weiche 
ihnen beim Kauen zwischen den Zähnen herausfallen, wissen sie nicht 
zu finden, wenn sie ausserhalb der Schüssel zu liegen kommen. 
Die Fütterung solcher Thiere verursacht daher sehr viel Mühe. 
Man muss ihnen eine sehr tiefe Schüssel vorsetzen und durch eine 
geeignete Handbewegung ihren Kopf zu der Speise lenken, wenn sie 
sich ohne grossen Zeitverlust sättigen sollen. Aehnlich ungeschickt 
benehmen sie sich, wenn man ihnen Knochen anbietet. Sie beissen 
diese allerdings leicht zu Splittern, wissen aber die Stücke nicht 
aufzufinden und vermögen auch, wie schon angegeben ist, nicht, 
den Knochen mit den Vorderpfoten festzuhalten. 
Bei Thieren mit massigem Hirnverlust sind diese Störungen 
bei der Nahrungsaufnahme nicht so hochgradig, aber immer noch 
ausgesprochen genug. Sie vermögen zwar ohne Beihülfe eine Schüssel 
mit Fleisch zu finden, aber nur langsam. Noch schwerer wird es 
ihnen, einen einzelnen hingeworfenen Knochen zu entdecken. Reicht
        

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