Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Functionen des Lendenmarks des Hundes (Vorgetragen im naturwissensch.- medicin. Verein zu Strassburg am 14. u. 21. Nov. 1873) [Offprint]
Person:
Goltz, Friedrich A. Freusberg
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37626/19/
478 
Prof. Fr. Goltz: 
der Hand auf den Bauch ausgeübten Druck Harnentleerung ein¬ 
zuleiten möglich ist. Ich möchte mir also den Mechanismus der 
Harnblase im wachen Zustande etwa so vorstellen : Indem die 
Harnblase allmählich durch den angesammelten Harn ausgedehnt 
wird, entsteht eine Reizung der sensiblen Nerven der Blase, 
durch welche reflectorisch eine Bewegung der Blasenmuskeln 
angeregt wird. Sobald in Folge der Zusammenziehung der Blase 
die ersten Tropfen in die Harnröhre treten, verspüren wir den 
ersten Drang zum Harnlassen. Wir haben nun die Wahl, ent¬ 
weder der reflectorischen Harnentleerung freie Bahn zu lassen, 
oder durch willkürliche Steigerung der Thätigkeit des Sphincter 
urethrae den weiteren Austritt von Harn in die Harnröhre zu 
hindern. Passt es uns den Ham zu lassen, so können wir den 
Erfolg der Thätigkeit der Blasenmuskeln durch willkürlich ge¬ 
steigerte Anstrengung der Bauchpresse begünstigen. Ist uns da¬ 
gegen die reflectorische Entleerung unbequem, so vermögen wTir 
durch angestrengte Znsammenziehung der Sphincter urethrae so 
lange der Thätigkeit der Blase entgegenzuarbeiten, bis die Blasen¬ 
muskeln ermüden. Nach einiger Zeit erfolgt unter vermehrter 
Reizung und Dehnung der Blase ein erneuter reflectorischer Anfall 
der Blasenzusammenziehung. Der kräftige Sphincter des Erwach¬ 
senen kann auch diesen noch besiegen. Der verhältnissmässig 
schwache Sphincter der Kinder vermag es oft nicht und diese 
harnen dann unfreiwillig. Ob meine Erklärung durchweg hin¬ 
reichend ist, lasse ich dahingestellt; jedenfalls glaube ich, dass 
in Zukunft dem reflectorischen Moment bei der Harnentleerung 
mehr Antheil zugesprochen werden muss, als es bisher geschehen 
ist. Wenn ich geläugnet habe, dass der Wille einen unmittelbaren 
Einfluss habe auf die Bewegung der Blase, so will ich damit 
selbstverständlich nicht etwa jeden Einfluss des Hirns auf die 
Blasenbewegung verneinen. Dass unwillkürliche, also reflecto- 
risehe, Harnentleerung auch vom Hirn aus angeregt werden kann, 
halte ich für vollständig gesichert. Wenn ein Kind z. B. durch 
eine Erregung der höheren Sinnesnerven in Angst oder Schrecken 
versetzt, plötzlich Harn lässt, so handelt es sich da offenbar um 
einen Reflex, dessen Bahn durch das Gehirn gehen muss. Dieser 
meiner Ansicht nach unwillkürliche Einfluss des Gehirns auf die 
Bewegungen der Blase setzt natürlich das Bestehen von Nerven¬ 
bahnen voraus, welche das Gehirn mit dem reflectorischen Centrum
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.