Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber gefässerweiternde Nerven [Offprint]
Person:
Goltz, Fr. Freusberg
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37624/9/
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Fr. Goltz; 
Wie aber erklärt man es, dass unmittelbar nach der Durchschnei¬ 
dung des Nerven der Tonus der Gefässe so sehr herabgeht? 
Um diese Frage zu beantworten muss ich eben eine Annahme 
machen, welche gewiss vielseitig Anstoss erregen wird. Ich bin 
gedrängt zu behaupten, dass die einfache Durchschnei¬ 
dung eines Nerven als mächtiger Reiz auf denselben wir¬ 
ken kann und dauerhafte Erscheinungen in dem Gebiet 
hervorruft, in welchem dieser Nerv peripherisch aufgeht. 
Deutlicher gesprochen, ich behaupte, dass bei der einfa¬ 
chen Durchschneidung eines Nerven die in ihm enthalte¬ 
nen gefässerweiternden Nervenfasern erregt werden. Die 
auf die Durchschneidung folgende Gefässerweiterung und Tempera¬ 
tursteigerung ist eine active Erscheinung. Ich denke mir dabei, 
dass die Erweiterung der Gefässe nach der Reizung der gefäss¬ 
erweiternden Nerven etwa so entstehen kann, wie die Hemmung der 
Herzthätigkeit nach Reizung des Vagus. 
Es leuchtet ein, dass meine Hypothese, nach welcher also der 
einfache Schnitt schon genügt, um gefässerweiternde Nerven stark 
zu reizen, manches Räthsel lösen würde. Wir haben gesehen, dass 
die Gefässerweiterung, wie sie nach Durchschneidung desHüftnerven 
eintritt, nach kurzer Zeit schon abnimmt und dann einer dauernden 
Verengerung Platz macht. Dies stimmt vortrefflich zu der Vorstel¬ 
lung, dass die Erweiterung ein activer, sich erschöpfender Vorgang 
ist. Sind verschiedene Nervendurchschneidungen an demselben Thier 
nach einander vorgenommen, so sind die Gefässe desjenigen Gebietes 
am meisten erweitert, welches der jüngsten Nervenwunde entspricht, 
weil eben hier der Reiz, welcher die gefässerweiternden Nerven 
traf, am frischesten und kräftigsten wirkt. Ist später die Wunde 
äusserlich glatt vernarbt, und ist so der Reiz, welcher früher wirkte, 
erloschen, so geht die Gefässerweiterung zurück. Die Endvorrich¬ 
tungen, welche ich mir als kleine nervöse Centren denke, treten 
dann wieder voll in Thätigkeit und der Tonus der Gefässe stellt 
sich her. 
Ich gestehe gern zu, dass die von mir vorgetragene gewagte 
Hypothese, so bequem sie sein mag, zu ihrer Stützung doch einer 
möglichst sorgfältigen Prüfung bedarf. Eine solche ist von mir 
versucht worden wie folgt : 
8. Wenn es wahr ist, dass eine Durchschneidung des Hüft- 
nerven als Reiz auf die gefässerweiternden Fasern wirkt, so ist zu
        

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