Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber gefässerweiternde Nerven [Offprint]
Person:
Goltz, Fr. Freusberg
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37624/5/
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Fr. Goltz: 
den Boden der Lehre von dem vasomotorischen Nerven, wie sie von 
den Handbüchern dargestellt wird, nicht aufgeben wollte, dann dürfte 
dieser Versuch mich in eine trostlose Lage versetzen. Die Ver¬ 
letzungen sind durchaus symmetrisch dieselben. Rechts ist der Hüft- 
nerv durchschnitten und links ebenfalls. Dazu ist das Rückenmark 
vollständig quer durchtrennt. Und doch ist der Gefässzustand auf 
beiden Hälften des Hinterkörpers ganz verschieden. Die Ballen der 
linken Hinterpfote dieses weisshaarigen Hundes sehen hellroth aus, 
während die Ballen der rechten Hinterpfote bläulich blass erschei¬ 
nen. Fasst man die beiden Füsse in je eine Hand, so fühlt man 
links die Arterien lebhaft klopfen, rechts nicht. Legt man links und 
rechts Thermometer zwischen die Zehen, so zeigt sich der enorme 
Unterschied von fast 15 Grad. Die rechte Hinterpfote hat die nor¬ 
male Temperatur von 24,5 Grad, obwohl das Rückenmark durch¬ 
schnitten und ausserdem noch obenein der Hüftnerv durchtrennt 
ist. Durch welche vasomotorische Nerven wird hier der normale 
Gefässtonus unterhalten? Sie müssten einen wundersamen Verlauf 
nehmen, um trotz der Trennung des Nervus ischiad. ungeschädigt 
bis zu den Arterien der Zehen zu gelangen. Und wenn nun wirk¬ 
lich diese vasomotorischen Nerven so abenteuerliche Irrfahrten anstellen, 
um zum Fusse vorzudringen, warum thun sie nicht auch am linken 
Fuss ihre Schuldigkeit, da sie dort ebenso vorhanden sein müssten? Mir 
fehlt hier jede Antwort, wenn ich mich nicht entschliesse, mit den 
bisherigen Anschauungen vom Wesen der Gefässinnervirung zu bre¬ 
chen. Doch davon später Näheres. Für jetzt beantworten wir die 
Frage: Warum ist in dem zuletzt beschriebenen Versuch der linke 
Fuss wärmer als der rechte? 
Weil der linke Hüftnerv fünfzehn Tage später durch¬ 
schnitten wurde, weil also die linke Nervenwunde die 
frischere war. 
5. Wenn man bei einem Hunde, dessen Lendenmark zermalmt 
ist, später noch einen Hüftnerv durchschneidet, so wird die betref¬ 
fende Hinterpfote die wärmere. 
Dieser Versuch ist bereits S. 497 des 8. Bandes dieses Archives 
mitgetheilt und seither in vielen Fällen bestätigt worden. 
6. Kurz erwähnt sei noch die folgende Beobachtung: 
Wenn man bei einem Hunde, dessen einer Hüftnerv bereits durch¬ 
schnitten ist, einige Zeit darauf auch den zweiten durchtrennt, so ist 
diejenige Pfote die wärmere, deren Nerv zuletzt durchschnitten wurde.
        

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