Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pathologische Beobachtungen über die physiologische Bedeutung der höheren musikalischen Töne [Offprint]
Person:
Moos, S.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37622/5/
1. Moos, physiolog. Bedeutung der höheren musikalischen Töne. 
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änssern Geräusche intensiv, so steigern sich die s u b - 
jectiven Gehörsempfindungen des Kranken zum Uner¬ 
träglichen. „Bei äusseren Geräuschen erscheint mir mein Schädel 
hohl und wenn die meinigen dadurch hervorgerufen werden, so nehmen 
sie mir das Vermögen zu denken.“ In diesem Zustand versteht P. 
dann auch auf dem rechten Ohre die Sprache schlecht; die eigene 
Sprache glaubt er immer nur auf dem rechten gesunden Ohre zu hören 
und zu verstehen. Seit Beginn des jetzigen Leidens ist P. unfähig, 
seinem Berufe vorzustehen. Wenn er selbst Klavier spielt, so hört er 
alle Töne undeutlich, verworren. Hört er Jemand anders in der Ent¬ 
fernung spielen, z. B. im Parterre, während er selbst eine Treppe höher 
sich aufhält, so hört P. alle Töne klar und er hält sich dann für fähig, 
selbst wieder Musik zu treiben, bis er wieder in die Nähe dieser 
Tonquellen kömmt oder selbst spielt, dann tritt der frühere Zustand 
wieder ein. 
Die mit Herrn Prof. Knauff am gleichen Tage vorgenom¬ 
mene Untersuchung ergab Folgendes: 
Beide äusseren Gehörgänge normal. — Das Trommelfell der leiden¬ 
den linken Seite ist flach, glanzlos, zeigt exquisite Griffshyperämie und 
totale Schleimhauttrübung. Die Tuba ist durchgängig ; abnorme Ge¬ 
räusche fehlen bei der Auscultation. Die Operation hat keinen Einfluss 
auf die Hörweite. Diese ist für die Sprache fast null. Spricht man 
direct laut in’s Ohr, so versteht Patient. Die Uhr (30 Fuss Hw.) hört 
P. von der linken Schläfe aus und an der Auricula schwach, sonst nicht. 
Die Stimmgabeln C\ C“ und A hört P. vom Schädel und vom Gehörgang 
aus rechts. In der Luftleitung hört P. auf der linken Seite gar keinen 
Stimmgabelton, auch keinen Klavierton auf die Entfernung von 12 Schritt. 
In der Nähe des Klaviers erscheinen ihm alle Töne ganz verworren 
und vermehren die subjectiven Geräusche. Vermittelst des Doppelt¬ 
otoskops hörten wir die auf dem Schädel schwingenden Stimmgabeln 
sowohl rechts wie links, auf der linken ein wenig schwächer. Die Hör¬ 
weite war auch auf der rechten Seite herabgesetzt, 3 Fuss statt 6 für 
die Uhr. Das Trommelfell ist ohne Lichtfleck, zeigt ebenfalls totale 
Sclileimhauttrübuhg, aber die Krümmung und Stellung der Membran sind 
normal. Die Griffhyperämie fehlt. t 
Die Untersuchung mit dem constanten Strom ergab links ein 
negatives Resultat, selbst bei 30 Siemens-Halske’schen 
Elementen blieb jede Reaction aus, auch als nach länge¬ 
rer Anoden d au er bei 30 Elementen die Wendung auf die 
Kathode vorgenommen worden war. Am Herzen keine Ver¬ 
änderung. 
Am 4. Februar status idem. Es wird jetzt eine regelmässige Be¬ 
handlung mit dem constanten Strom begonnen. 30 Elemente in der 
Anode bleiben auch heute ohne jede Einwirkung auf die subjectiven 
Gehörsempfindungen. (Sie gleichen, wie früher angegeben, dem Lärm 
von an’s Ufer anschlagenden Wellen.) Die Wendung nach der Anoden¬ 
dauer auf die Kathode ruft auch bei 30 El. weder eine Verstärkung 
des Brausens, noch irgend eine neue subjective Gehörsempfindung her- 
l*
        

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