Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über das Verhältnis der Halbcirkelcanäle des Ohrlabyrinths zum Körpergleichgewicht. Eine experimentell-pathologische Studie [Offprint]
Person:
Curschmann, H.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37621/6/
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Dr. H. Curschmann, 
kommenden Tlieile wird das Auseinandergesetzte befestigen und noch 
gewisse andere für Ausführung und Beurtheilung der Versuche wichtige 
Verhältnisse klar machen.*) 
Die drei knöchernen Bogengänge des Ohrlabyrinths liegen be¬ 
kanntlich bei der Taube, unserem Versuchsthier, im spongiösen Knochen¬ 
gewebe des Hinterhaupts und werden ihrer Anordnung gemäss ge¬ 
wöhnlich als can. horizontalis, canal, verticalis inferior und can. verti¬ 
cals superior bezeichnet. Die beiden ersteren finden sich etwa in 
gleicher Höhe mit der äusseren Ohröffnung und sind oberflächlich 
dicht unter der äusseren Lamelle des Schädels gelegen. Der can. 
vert, superior verläuft oberhalb der beiden anderen Bogen, liegt be¬ 
deutend tiefer und ist ganz in’s spongiöse Gewebe eingebettet. Fast 
seiner ganzen Ausdehnung nach hebt sich sein Relief von 
der Innenfläche des Schädels ab, ja an einer Stelle, an 
die man gerade beim Experiment am leichtesten kommt (die 
der Mittellinie des Kopfs zunächst gelegene Partie des Bogens), ist 
seine Wand mit der inneren Sch äd e 11 ame 11 e so innig ver¬ 
schmolzen, dass man bei jedem Versuch, den Bogen durch¬ 
zuschneiden oder ein Stück auszubrechen in die Schädel¬ 
höhle liineingeräth, und damit das Kleinhirn, speciell den 
hier dicht anliegenden vermis und das crus cerebelli 
verletzt. 
Der untere verticale und der horizontale Bogen kreuzen sich be¬ 
kanntlich, und es hat den Anschein, als ob der erstere über den letz¬ 
teren wegliefe. Nähere Prüfung ergiebt jedoch, dass an der Kreuzungs¬ 
stelle die Lumina der beiden knöchernen Canäle communiciren. Der 
verticale Canal zeigt in seiner Wand zwei sich gegenüberliegende 
Oeffnungen, die Mündungen des horizontalen, von welch letzterem an 
der Kreuzungsstelle nur, den gemeinschaftlichen Boden derselben bil¬ 
dend, die hintere Wand bestehen bleibt. Die beiden häutigen 
Canäle liegen daher an dieser Stelle in einem Raum zu¬ 
sammen, und zwar der horizontale unter dem verticalen. Für die 
Beurtheilung der Experimente ist die Kenntniss dieses Verhaltens von 
grösster Bedeutung. Sie wird gewisse anscheinend abnorme oder 
geradezu widersprechende Erscheinungen bei der Beobachtung der 
Versuchsthiere in ungezwungenster Weise erklären helfen. 
*) Auf eine systematische anatomische Beschreibung, die Jeder sich leicht 
aus eigener Anschauung erwerben kann, verzichtend, erörtern wir hier nur 
die für das weitere Verständnis nöthigen Verhältnisse.
        

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