Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über das Verhältnis der Halbcirkelcanäle des Ohrlabyrinths zum Körpergleichgewicht. Eine experimentell-pathologische Studie [Offprint]
Person:
Curschmann, H.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37621/5/
Ueber das Verhältnis der Halbcirkelcauäle des Ohrlabyrinths etc. 5 
reicht, und so bei einiger Vorsicht Läsionen des Gehirns und der 
Meningen vermieden werden können. Bei Hunden und Kaninchen 
würden diese kaum zu umgehen und in ihrem Einflüsse auf die Resul¬ 
tate ganz unberechenbar sein. Flourens berichtet übrigens, was ich 
nicht unerwähnt lassen will, von Experimenten an diesen Thieren mit 
wesentlich gleichen Erscheinungen wie bei Yögeln. 
Für meine eigenen Experimente hatte ich mir zunächst als Haupt¬ 
aufgabe gestellt, Verletzungen der Bogengänge in der verschiedensten 
Ausdehnung, von der einfachen Durchschneidung bis zu totaler Eli¬ 
mination zu machen, und den Effect derselben an jedem einzelnen 
Bogen zu studiren, ferner Läsionen, gleiche und ungleiche, auf beiden 
Seiten auszuführen, zwei und drei Canäle gleichzeitig und schliesslich 
alle drei Canäle beiderseits zu entfernen. Einige andere Modificationen 
dieser Versuche und weitere Fragen, die sich im Verlauf derselben 
aufwarfen, finden noch später Erwähnung. 
Die bis dahin geübten Versuchsmethoden schienen mir nicht 
genügende Sicherheit für reine Resultate zu bieten. Das gewöhnliche 
Verfahren war bekanntlich das, dass man nach ausgiebiger Entfernung 
der die Canäle bedeckenden Schädelpartie jene bioslegte, nun je nach 
Bedürfnis die knöchernen Bogen entweder einfach quer durchschnitt 
oder mehr oder weniger grosse Stücke derselben wegmeisselte und 
damit natürlich auch in annähernd gleicher Ausdehnung den häutigen 
Bogen verletzte. Bei dieser Art und Weise sind natürlich bedeutende, 
durchaus nicht gleichgültige Mitverletzungen anderer Theile unver¬ 
meidlich. Von der zur Bloslegung der betreffenden Knochenpartie 
schon nothwendigen sehr ausgiebigen Ablösung der Nackenmusculatur 
ganz abgesehen, ist es vor Allem die ausgedehnte Läsion des Schläfen¬ 
beins, die selbst bei den Tauben leicht zur directen Verletzung des 
Gehirns und seiner Häute oder doch wenigstens gewisser damit in 
innigstem Zusammenhänge stehender Gebilde führt. Ja bei Versuchen 
an einem bestimmten Canale, dem oberen verticalen ist ohne ganz be¬ 
stimmte Cautelen kaum, sicher aber, wenn man, um den häutigen Bogen 
zu lädiren, seinen knöchernen mit heraus bricht, eine Mitverletzung des 
Cerebellum meiner Ueberzeugung nach nicht zu umgehen. Während 
der Nachbeobachtung führen ausserdem so ausgedehnte Verletzungen 
des Knochens fast constant zu den heftigsten, zuweilen über den grös¬ 
seren Theil des Schädels sich ausbreitenden Entzündungen, und selbst 
secundäre Affectionen der Meningen und des Gehirnes selber gehören 
alsdann zu den ganz gewöhnlichen Vorkommnissen. 
Ein Blick auf die anatomischen Verhältnisse der in Betracht 
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