Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über das Verhältnis der Halbcirkelcanäle des Ohrlabyrinths zum Körpergleichgewicht. Eine experimentell-pathologische Studie [Offprint]
Person:
Curschmann, H.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37621/23/
lieber das Verhältniss der Halbcirkelcanäle des Ohrlabyrintks etc. 23 
ausführte*) und jetzt wieder aufgenommen habe, deuten direct dar¬ 
auf hin. — 
Sehen wir nun zu, nachdem uns die Folgen der möglichst voll¬ 
ständigen ein- und beiderseitigen Elimination des horizontalen Canals 
bekannt sind, welchen Einfluss eine möglichst geringe Verletzung 
dieses Bogens, die einfache Durchschneidung also, hat. 
Wir werden finden, dass die Symptome derselben nur grad¬ 
weise von denen der schwereren Formen der Verletzung 
sich unterscheiden. 
Hat man auf einer Seite den häutigen Canal quer durch¬ 
schnitten,**) so zeigt sich die Kopf- und Körperhaltung der Taube 
vollständig unverändert. Weder in Ruhe noch bei Erregung 
des Thier es wird der Kopf abnorm bewegt, wie wir dies im 
Gegensatz hierzu bei doppelseitigen Läsionen constant beobachteten. 
Die Nahrungsaufnahme gelingt mit fast normaler Geschicklichkeit, so 
dass künstliche Fütterung niemals nothwendig ist. Aber schon in 
Ruhe lässt uns eine gewisse Trägheit und Schwerfälligkeit des Thieres 
sehliessen, dass nicht Alles völlig in Ordnung ist.***) Wenn die Taube 
spontan oder ohne heftiger beunruhigt zu sein läuft, so ge¬ 
schieht dies anscheinend gewandt und in grader, resp. beliebiger Rich¬ 
tung, sowie auch Drehen und Wenden nach beiden Seiten ohne 
Schwierigkeit gelingt. Nöthigt man die Tauben aber zu forcirten 
Locomotionen, so macht sich auch bei ihnen sofort ein Ausfall 
geltend. Sie beschreiben dann (unter normaler Haltung von Kopf und 
Körper) statt grade vorwärts zu laufen, Bogen, stets nach der Seite 
der Läsion hin, und bei stärkster Erregung kommt es, freilich seltener 
und nur bei sehr beweglichen Thieren, sogar zu completen Kreisen. 
*) Conf. H. Curschmann, Bcitr. zur Physiologie der Kleinhirnschenkel. 
Giessen, 1868. Idem, Klinisches nnd Experimentelles zur Pathologie der 
Kleinhirnschenkel. Deutsches Arch. f. klin. Medicin. XII. Bd. S. 356 ff. 
**) Der hierzu nöthige Eingriff ist, ich bemerke dies hier besonders, da 
ich im Texte nochmals darauf zurückkommen muss, ein äusserst geringfügiger. 
Der häutige Canal wurde nach genügender Eröffnung des knöchernen in situ, 
d. k. ohne dass er vorgezogen oder sonst wie gezerrt wurde (mit einer äusserst 
feinen Scheere) scharf durchschnitten, oder zuweilen mit einer glühenden Nadel 
durchgebrannt. 
***) Bei Geräuschen, die ein gesundes Thier zu energischen Fluchtver¬ 
suchen veranlassen würde, bleiben die Tauben entweder ganz ruhig sitzen 
oder machen höchstens ein paar träge Kopfbewegungen. Sie lassen sich 
ferner weit leichter als gesunde ergreifen. 
Q* 
ü
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.