Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Function der Bogengänge des Ohrlabyrinthes [Offprint]
Person:
Breuer, Josef
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37619/29/
Ueber il. Function dejr Bogengänge d. Öhrlabyrinthes. 
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„zu achten. . . . Auch der oben bemerkte Umstand, dass beim Fixi- 
„ren des Blickes auf den vorgehaltenen Finger die sichtbaren Gegen¬ 
stände sogleich umschwingen, deutet darauf hin, dass auch ohne 
„das Feststellen des Blickes durch den vorgehaltenen Finger das 
„Auge den entgegenkommenden Gegenständen krampfhaft entgegen 
„sich bewegt, welche Bewegung beim Stillestehen noch eine Weile 
„andauert und gegen die willkürliche Fixirung des einzelnen Gegen¬ 
standes ankämpft. Auch bei anderen Arten des Bewegungsscliwin- 
„dels wird die Nachbewegung des Auges anders beschaffen sein 
„müssen; so bei dem, wo die Umdrehung mit nach oben gewen- 
„detem Gesichte geschah, kreisförmig, bei mit nach der Schulter 
„geneigtem Kopfe von oben nach unten oder umgekehrt.“ (Mediz. 
Jahrbücher 1820, pag. 93 ff.) Ganz ähnlich Rust’s Magaz. 1820, 
pag. 53. 
Halten wir zunächst die Thatsache fest, dass der Augenschwin¬ 
del, die Scheinbewegung der Gesichtsobjecte, von einer leicht und 
sicher nachweisbaren Augenbewegung abhängt und mit ihr zugleich 
aufgehoben wird (durch active oder passive Fixirung d^s Auges). 
Damit entfällt jede psychologische Theorie des Gesichtsschwindels 
(Zöllner, Poggendorf’s Annalen CIX. Ueber die Natur der Kometen 
1872, p. 387, 396). Es erscheint nun dieses Phänomen des Dreh¬ 
schwindels auch durchaus verschieden von den anscheinend nahe 
verwandten Scheinbewegungen der Objecte nach längerem Anschauen 
bewegten Wassers, des Antirheoskops oder der Plateau’schen Spirale. 
Erstens sind, wie auch Zöllner u. A. bemerken, die beiden Er¬ 
scheinungen dadurch unterschieden, dass die letztgenannten negative, 
die ersteren positive Nachempfindungen sind. Indem nämlich die 
Gesichtsobjecte sich in der der vorhergegangenen Drehung entge¬ 
gengesetzten Richtung bewegen, ist das dieselbe Bewegung, welche 
sie während des Umdrehens zu machen schienen. •— Zweitens be¬ 
schränkt sich die Scheinbewegung nach längerer Betrachtung be¬ 
wegter Gegenstände auf jenen Theil der Netzhaut, auf welchem sich 
dieselben abbildeten, während das übrige Sehfeld völlig in Ruhe ist. 
Dadurch scheint mir sichergestellt, dass Augenbewegungen dabei 
nicht betheiligt sind. Beim Drehschwindel hingegen sind sie die 
unzweifelhafte Ursache der Erscheinung. (Auch Pu rkiny e hielt diese 
beiden Phänomene für verwandter als sie sind). 
Dass der Augenschwindel auf dem Nystagmus beruht, scheint
        

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