Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Function der Bogengänge des Ohrlabyrinthes [Offprint]
Person:
Breuer, Josef
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37619/24/
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15reu er. 
Für die Drehling1 nach links gelten natürlich die entgegen¬ 
gesetzten Eichtungen. In dieser Tabelle ist die zweite Rubrik nur 
als sehr schematisch anzusehen; denn da die Kanäle um etwa 45° 
gegen die Ebenen, deren Namen sie tragen, geneigt sind, so sind 
bei jeder der angeführten Kopfstellungen je zwei auf einander senk¬ 
rechte Bogengänge ziemlich gleichmässig betheiligt. 
Gehen wir nun daran unsere Annahme an diesen Consequen- 
zen zu prüfen, so bemerken wir, dass auch diese Versuche längst 
gemacht sind. Es sind ja theils die Jedermann von jeher bekannten 
einfachen, theils die durch verschiedene Kopfstellung complicirten 
Formen des Drehschwindels. Das ganze Phänomen hat Purkin y e 
in seinen geistvollen Abhandlungen über den Schwindel (Medicin. 
Jahrbücher 1820 p. 79; Rust’s Magazin 1827) auf das genaueste 
beschrieben. Aus den Versuchs-Thatsachen der Abhängigkeit der 
Scheinbewegung von der Kopfstellung, die schon der ältere Darwin 
kannte, formulirt P. das Gesetz : 
„Dass der Durchschnitt des Kopfes (als einer Kugel) um 
dessen Achse die erste Bewegung geschah, die Schwindelbewe¬ 
gung bei jeder nachmaligen Lage des Kopfes unveränderlich 
bestimmt.“ 
Wie leicht ersichtlich ist diese empirisch gefundene Regel iden¬ 
tisch mit der vorhin aus unserer Annahme a priori abgeleiteten. 
Wenn man die Versuche wiederholt, ist es gut sie zuerst in 
der einfachsten Form anzustellen ; sich nach längerer Drehung in 
einen Fauteuil zu legen, in dem der ganze Körper vollkommen un¬ 
terstützt ist, und die Augen zu schliessen. Dann hat man rein und 
deutlich die Empfindung: der Körper werde in der einen oder an¬ 
dern Richtung gedreht. Hält man die Augen offen, so compliciren 
die gleich zu besprechenden Phänomene des Augenschwindels die 
Erscheinung; bleibt man stehen, so treten die Reflexbewegungen zur 
Erhaltung des Gleichgewichts gegen die scheinbar den Körper um¬ 
stürzende Gewalt so heftig auf, dass es ausserordentlich schwierig 
ist zu sagen, in welcher Richtung die Scheinbewegung statt hatte. 
Will man also über das Grundphänomen Aufschluss, so muss man 
durch Schliessen der Augen und völlige Unterstützung des Körpers 
diese verwirrenden Einflüsse ausschliessen. 
Die Empfindung des Schwindels ist aber bei ruhiger Lage eine 
viel schwächere, als wenn das ganze Ensemble der natürlich zweck-
        

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