Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Function der Bogengänge des Ohrlabyrinthes [Offprint]
Person:
Breuer, Josef
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37619/18/
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ß r e u er. 
jeder Verletzung der häutigen Kanäle tritt Endolymphe aus oder 
Blut aus zerstörten Gefässchen ein. Durch beides werden intensive 
Strömungen der Endolymphe bedingt, und es erfolgen hei einseitiger 
Verletzung jener Nystagmus des Kopfes undderBulbi, die Flourens 
und nach ihm andere geschildert haben. Doch solange die Bogengänge 
der anderen Seite unverletzt sind, beruhigt sich das Thier bald (ist 
aber doch in der Berechnung seiner Bewegungen beirrt). Diess ist be¬ 
greiflich, denn der normal fungirende, unverletzte Apparat des andern 
Felsenbeines wirkt corrigirend. Sind aber die gleichnamigen Bogen¬ 
gänge beiderseits verletzt, so entfällt diese Correction; die Empfindung 
der Bewegung wird übermächtig, der ganze Körper macht compen- 
sirende Anstrengungen zur Erhaltung des Gleichgewichts: die Ma- 
nègebewegungen und Rollungen um die Quer- oder Längsaxe des 
Körpers. Diese Bewegungen haben ihrem Zwecke entsprechend nichts 
pendelndes, nystagmisches mehr, wie die Kopf- und Augenbewe¬ 
gungen. Aber nur die kleineren Bewegungen erfolgen ziemlich 
exact in der Ebene der verletzten Bogengänge ; eine Taube zum 
Beispiel, der die horizontalen Kanäle durchschnitten sind, macht 
gewöhnlich horizontale pendelnde Kopfbewegungen; wird sie aber er¬ 
regt, so dreht sich, wie auch allgemein angegeben wird, der Hals 
um 180°, so dass der Scheitel den Boden berührt, — ohne dass 
ich mit Sicherheit behaupten könnte, diese Bewegung geschehe exact 
in der allerdings auch um etwa 45° gegen den Horizont geneigten 
Ebene der horizontalen Kanäle. Wir müssen aber bedenken, dass die 
Strömungen bei Verletzung der Bogengänge sehr irregulärer Natur 
sind. Wenn Endolymphe aus- oder Blut in einen Bogengang einströmt, 
so wird dadurch ja auch die Flüssigkeitsmasse im ganzen zusammen¬ 
hängenden Systeme der häutigen Kanäle vermehrt oder vermindert, 
und es werden dadurch Strömungen auch in den nicht direct be- 
betheiligten Gängen entstehen müssen. Die dadurch hervorgerufenen 
Reflexbewegungen in anderen Ebenen compliciren dann die von dem 
verletzten Gange aus angeregten. 
In dieser Erklärung gehe ich von derselben Auffassung aus, 
wie Löwenberg. (1. c.) Auch dieser Autor urgirt, dass die Be¬ 
wegungen durch die Erschütterung hervorgerufen werden; ich muss 
aber seine Angaben, dass bei narkotisirten Thieren die Bewegungen 
ebenso auftreten wie bei wachen, nur sich rascher beruhigen, dahin 
ergänzen, dass in tiefer Narkose, (wie sie sich mit Schwefeläther
        

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