Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Verrichtungen des Grosshirns. Vierte Abhandlung [Offprint]
Person:
Goltz, Fr. J. v. Mering, R. Ewald
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37618/36/
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Fr. Goltz: 
Hitzig behauptet, dass die Centren des Scheitellappens dem 
Muskelhewusstsein dienen, Ferrier fasst sie als psychomotorische 
Centren auf, Munk verlegt seine Fühlsphäre eben dahin. Alle 
diese Hypothesen werden durch die Thatsacke widerlegt, dass die 
Störungen, aus welchen diese Autoren ihre Hypothese ableiten, 
sich von selbst wieder ausgleicken, selbst wenn die betreffenden 
Centren bis in die grösste Tiefe hinein zerstört sind. Was sich 
aber nicht ausgleicht, und also als eine Ausfallserscheinung ange¬ 
sehen werden muss, ist eben die auffällige Plumpheit und Unbe- 
holfenheit der Bewegungen und die stumpfere Empfindung. Wir 
müssen demnach allgemein gesprochen anerkennen, dass die vor¬ 
deren Quadranten der Grosshirnrinde eine innigere Bezie¬ 
hung zu den Bewegungen des Körpers und zur Haut¬ 
empfindung haben, als die hinteren Quadranten. Wenn jemand 
hieraus folgern wollte, dass die vorderen Abschnitte der grauen 
Rinde dem Wollen und Empfinden in höherem Masse gewidmet 
sind, als die hinteren, so kann die Berechtigung zu einer solchen 
Hypothese nicht bestritten werden. Ich selbst mag mich vor¬ 
läufig noch nicht zur Annahme dieser Hypothese entschliessen, 
sondern ich neige zu der Auffassung, dass die ausgedehntere Ver¬ 
wundung der Leitungsbahnen in der weissen Substanz die 
eigenthümlichen Erscheinungen nach Verletzung der vorderen Ab¬ 
schnitte der Grosshirnrinde erklären könnte. Mag die Stellung, 
welche man zu der Lokalisation der Grosshirnfunktionen einnimmt, 
sein, welche sie wolle, so wird man zugeben, dass die Lokalisation 
irgend wo anfangen muss. Wenn ich z. B. den Entschluss fasse, 
meinen rechten Zeigefinger zu bewegen, so bereitet es mir keine 
Schwierigkeit zu denken, dass der Willensvorgang an sich eine 
Funktion der gesammten Grosshirnrinde sein kann. Damit aber 
aus dem Willensvorgang That werde, muss eine eigenartige Be¬ 
wegung von der Hirnrinde zu dem ausführenden Organe fliessen, 
und die Bahn für diese Bewegung muss selbstverständlich da ge¬ 
sucht werden, wo der Hirnmantel mit dem Hirnstamm in Verbin¬ 
dung tritt. Nun drängen sich offenbar unterhalb derjenigen Ab¬ 
schnitte des Hirnmantels, welche dem Hirnstamm unmittelbar auf¬ 
liegen, die Leitungsbahnen in viel höherem Masse zusammen. In 
der Tiefe des überhängenden Hinterlappens oder des Stirnlappens 
sind voraussichtlich weniger Leitungsbahnen vorhanden als in der 
Tiefe der Scheitellappen. Eine Verwundung des Scheitellappens
        

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