Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Verrichtungen des Grosshirns. Vierte Abhandlung [Offprint]
Person:
Goltz, Fr. J. v. Mering, R. Ewald
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37618/21/
Ueber die Verrichtungen des Grosshirns. 
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solche Annahme keineswegs ausreichend die Asymmetrie. Das 
inzwischen in Miiller’scher Flüssigkeit gut gehärtete Gehirn 
bietet nämlich in seinem geschrumpften Zustande dieselbe augen¬ 
fällige Asymmetrie dar. Das Gehirn wiegt jetzt nur 34 grm. —- 
Da durch die letzte Operation kein bis dahin unversehrtes Stück 
der Rinde in Angriff genommen, sondern die neue Verletzung ledig¬ 
lich innerhalb des Bereiches der alten Narben angerichtet wurde, 
so kann man sich den Zustand, welchen das Gehirn vor der letzten 
Operation gehabt haben muss, leicht reconstruiren. Man braucht 
sich nur vorzustellen, dass die Verletzung rechts bei demselben 
Umfange eine oberflächliche, d. h. etwa 4 mm tiefe war. Wir wollen 
nur die Aus falls erschein ungen schildern, welche der Hund 
nach der zweiten Operation zeigte. Er hatte damals, wie die 
Zeichnung ergibt, links und rechts die Rindenschicht des grössten 
Theils der sogenannten motorischen Zone eingebüsst, links aber 
ausserdem innerhalb des Scheitellappens eine enorm tiete Zer¬ 
störung durch die ganze Dicke der Grosshirnhälfte erfahren. 
Am meisten muss hervorgehoben werden, dass dieser Hund 
beim Gehen und Laufen so gut wie keine Asymmetrie in der Be¬ 
nutzung seiner Bewegungswerkzeuge zeigte. Bald nach der zweiten 
Operation hatte er die ausgesprochene Neigung sich nach links 
im Kreise herumzudrehen. Von Tag zu Tage wurde aber der 
Durchmesser der Kreise, die er beschrieb, immer grösser, und 
schliesslich konnte er beliebig grosse Strecken geradeaus lautend 
zurücklegen. Seine Bewegungen waren sehr ungestüm und hastig. 
Man konnte ihn kaum dahin bringen, sich auch nur eine Minute 
ruhig zu verhalten, um seine vernarbende Kopfwunde zu behan¬ 
deln. Er konnte sich auf den Hinterbeinen emporrichten und 
selbst Sprünge thun, doch waren diese sehr plump. Auch wenn 
er einen Knochen bearbeitete, verfuhr er dabei ziemlich unge¬ 
schickt, indem er es nicht verstand, den Knochen mit den Ptoten 
genügend festzuhalten. Die Hautempfindung war bei ihm wohl 
überall stumpf und vielleicht rechts stumpfer als links; doch war 
es bei der steten Unruhe des Thieres sehr schwer, sichere Aus¬ 
kunft über diesen Punkt zu bekommen. Nur das war ganz un¬ 
zweifelhaft, dass er stärkeren Druck an jeder Stelle der Haut auf 
der rechten Körperhälfte mit Aeusserungen des Unwillens beant¬ 
wortete. Nach der ersten Operation sah er auf beiden Augen sehr 
schlecht, so dass er bei Gehversuchen wiederholt anstiess, aber
        

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