Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über die Orientirung im Fühlraum der Hand und im Blickraum [Offprint; publication of journal volume: 1890]
Person:
Loeb, Jacques
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37617/6/
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J. Loeb: 
Sinne nach wesentlich ebenso ausfallen wie beim Auge. — 
Werden Hand und Auge in gleichem Sinne aus der Ruhelage ent¬ 
fernt, so weicht die Richtung der ausgeführten von der Richtung 
der gewollten Bewegung für beide Organe im gleichen Sinne ab. — 
Die Erscheinungen sind aber für die Hand nicht so sicher wie für 
das Auge. 
Wenn nun auch die Empfindung der Grösse und Richtung der 
Willkürbewegung wesentlich vom Willensimpuls und 
nicht von den durch die Bewegung vom thätigen Organ aus¬ 
gelösten Empfindungen abhängt, so sind die Druckempfindungen 
der Haut bei Bewegung der Hand doch mitbestimmend für die 
Auffassung der Form der getasteten Körper. — Ich werde 
zeigen, dass durch Aenderung des Druckes auf unsere Haut ganz 
bestimmte Täuschungen über die Form der getasteten Körper zu 
Stande kommen können. 
Es fragt sich endlich, da der physiologische Raum im allge¬ 
meinen vom geometrischen abweicht, in welchen Stücken der phy¬ 
siologische Raum und namentlich der bisher darauf nicht unter¬ 
suchte Fühlraum der Hand mit dem geometrischen Raume überein- 
stimmt. Bei der Erörterung dieser Frage werden wir auf die 
Abhängigkeit der Reizbarkeit und der räumlichen Orientirung von 
der Körperform hingewiesen. Die morphologische Symmetrie- 
ebene unseres Körpers ist auch Symmetrieebene dessel¬ 
ben in physiologischer Beziehung. — Die Punkte der Me¬ 
dianebene liegen bei Primärstellung des ganzen Körpers physio¬ 
logisch und geometrisch in einer Ebene. Für die zur Me¬ 
dianebene parallelen und die auf ihre senkrechten Graden ist 
die Abweichung der gewollten von der ausgeführten Bewegung 
im Fühlraum der Hand ein Minimum. Für den Blickraum gelten, 
wie Mach zuerst gezeigt hat, dieselben Bestimmungen. — Diese 
Abhängigkeit der Orientirung von der Körperform ermöglicht es, 
dass die Raumgebilde des Sehenden und Blinden trotz der Ver¬ 
schiedenheit zwischen Hand und Auge übereinstimmen. 
Das ist im wesentlichen der Gedankengang dieser Arbeit. — 
Ich will nunmehr die Thatsachen einzeln darlegen und vorher einige 
nothwendige Definitionen geben. 
Wir denken uns einen Menschen aufrecht stehend und starr 
und nur Hand und Arm desselben beweglich. Dann bezeichnen 
wir den Inbegriff der Punkte, die derselbe mit der Spitze des
        

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