Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über die Orientirung im Fühlraum der Hand und im Blickraum [Offprint; publication of journal volume: 1890]
Person:
Loeb, Jacques
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37617/40/
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J. Loeb: 
Bewegung- unterliegt kleineren Schwankungen bei der Aenderung 
der Länge der Wegstrecke als die mittlere Geschwindigkeit der 
Bewegung. 
VII. 
U e b er den Einfluss, welchen Aenderung der 
Druckreize auf die Vorstellung der Form der 
getasteten Objecte ausübt. 
Wir haben gesehen, dass für die Vorstellung von der Grösse 
und der Richtung unserer eigenen Willkürbewegungen lediglich 
der Willensimpuls, aber nicht die durch die Bewegung des thä- 
tigen Organs ausgeübten sensibelen Reize bestimmend sind. Durch¬ 
aus anders verhält es sich mit unserer Vorstellung von der Form 
getasteter Objecte. 
Die Aenderungen des Druckes, welchen die Gegenstände auf 
den tastenden Körper ausüben, sind von wesentlichem Einfluss auf 
die Auslegung der Form der Objecte. Ich hatte mir vom Mecha¬ 
niker ein System tastbarer, starrer, sich schneidender Geraden aus 
prismatischen Eisenstäben hersteilen lassen. Die Stäbe waren auf 
einem ebenen Brett befestigt und die nach oben gerichteten Kanten 
sollten alle in einer Ebene liegen. Als ich den Finger über die 
Stäbe hinführte fand ich, dass die Kanten anstatt in einer Ebene 
zu liegen,2 bergauf und bergab gingen. Diese Empfindung war so 
mächtig, dass selbst genaues Hinsehen sie nicht sofort zu besei¬ 
tigen vermochte. Eine Prüfung aber zeigte, dass diese Empfin¬ 
dungen nicht durch die geometrischen Verhältnisse, sondern durch 
physiologische Eigenthümlichkeiten bedingt waren. Geometrisch 
lagen die Kanten wirklich in einer Ebene. 
Es seien AB und CD (Figur 7) zwei im Punkte 0 sich 
kreuzende Stäbe. Werden nun die Finger einer Hand auf der 
scharfen Kante CD in der Richtung von C nach D geführt, so 
scheint, wenn der Finger über 0 hingleitet, CO gegen AB aufzu¬ 
steigen, O D dagegen sich zu senken. Die Kanten C 0 und D 0 
scheinen dachgiebelförmig gegen die scheinbar höher liegende 
Kante AB sich zu erheben. Führt man aber den Finger von B 
nach A, so scheint in der gleichen Weise CD höher zu liegen. 
Der Grund für diese Erscheinung ist leicht einzusehen. Beim Hin¬ 
gleiten des ^Fingers über die quere Kante erleiden die einzelnen 
Elemente der Haut, zuerst, wenn sie sich der Kante nähern, einen
        

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