Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Physiologie der Schilddrüse. VI. Mitteilung. Jodspeicherung und Jodbindung im Organismus
Person:
Blum, F. R. Grützner
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37612/3/
F. Blum und R. Grützner, 
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Tier zu einem bestimmten Moment in irgend einem Organ Jod 
vorhanden war. Die zahlreichen Jod verteilungsversuche von 
pharmakologischer Seite haben gezeigt, daß in einzelnen Teilen 
des Organismus sich nach Jodalkalizufuhr Jod länger nach- 
weisen läßt, als in anderen. Nach genügend langer Zeit geben 
aber auch diese wieder das Jod ab, soweit sie dazu die Mög¬ 
lichkeit haben. Für diese Auffassung lassen sich Versuche von 
O. Loeb») anführen, bei denen ein Tier, das längere Zeit nach 
der Jodeingabe getötet wurde, in allen Organen gegenüber 
dem kürzere Zeit danach getöteten Tier eine Abnahme des 
.lodgehalts zeigte, nur nicht in der Schilddrüse. 
Unterbleibt jegliche Jodzufuhr, so sind alle Organe mit 
Ausnahme der Schilddrüse jodfrei. Bei dem Jodgehalt mancher 
Nahrungsmittel aber kann das Halogen im Körper zeitweilig 
vorhanden sein: dann gibt die Untersuchung der verschiedenen 
Organe eines Tieres ein Bild von dem augenblicklichen zu¬ 
fälligen Stand der Jodverteilung. Eine solche Tabelle kann, 
die Brauchbarkeit der Methode vorausgesetzt, Aufschlüsse 
geben darüber, ob irgendwo eine Speicherung von Jodver¬ 
bindungen stattgefunden hat. Der Nachweis ist beispielsweise 
sicher erbracht für Haare und Klauen.2) Die Arbeit von Ho- 
wald zeigt zugleich, daß mindestens ein Teil des Jods in den 
Haaren sich in organischer Bindung befindet, wenn vorher 
eine Jodmedikation stattgefunden hat. Das Jod ist also nicht nur 
aufgespeichert, sondern auch uragesetzt worden. Aber diese Um¬ 
setzung entspringt sicherlich keinem speziellen Lebensprozeß, 
sondern ist hervorgerufen durch die Einwirkung der Luft und 
des Lichtes auf das in den unbelebten Gebilden abgelagerte 
.lodalkali. Es entsteht, wie in der Arzneiflasche, unter diesen 
Einflüssen freies Jod und dieses setzt sich mit dem Keratin 
des Haares um. Die Speicherung und Umsetzung von Jod in 
den Haaren hat also nichts gemein mit jenem Halogenstoff¬ 
wechsel, den wir oben skizziert haben. Die Haare, die Jod 
aufgenommen haben, besitzen keine Gelegenheit, es wieder 
abzugeben, wodurch sich die Speicherung erklärt und die 
') 1. c. 
*) Howald, Diese Zeitschr., Bd. 23 [1897], S. 209.
        

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