Bauhaus-Universität Weimar

gehen der beiden Wirkungen sehr wohl der Neutralisation zu¬ 
geschrieben werden kann. Ich muß gestehen, daß diese Versuche 
nicht sehr überzeugend auf mich gewirkt haben, denn die 
gefundenen Unterschiede sind sehr klein im Vergleich mit den 
von Schmidt-Nielsen gefundenen. Wie ich aber erwähnte, 
ist diese Erklärung nicht stichhaltig, denn bei Vermeidung der 
Neutralisation findet man dasselbe. Interessant ist aber, daß 
Sa witsch das Auseinandergehen der beiden Wirkungen infolge 
Neutralisation mit NaOH und NaHC03 aufheben konnte durch 
Hinzufügen großer Mengen Chlorcalcium. Dadurch wird die 
H-Ionenkonzentration bedeutend gesteigert und es wäre wün¬ 
schenswert, zu untersuchen, ob nicht auch hier der bisher 
nicht beachtete Einfluß der OH-Ionen der Milch eine Rolle 
spielt. Die Tatsache, daß der mit NaOH neutralisierte Saft ohne 
CaCl2 stark von dem Zeitgesetz abweicht (Tabelle VII seiner 
Arbeit), spricht stark dafür. Auch Tabelle VI weist darauf hin. 
Wenn ich nun schließlich alle die von den verschiedenen 
Forschern erhaltenen Resultate zusammenstelle, so sehe ich 
keinen Grund mehr, um zwischen einem verdauenden und ge¬ 
rinnenden Enzym im Magensaft zu unterscheiden, eine Auf¬ 
fassung, zu welcher die schönen Untersuchungen Ham mars tens 
früher notwendig führen mußten. 
Jetzt scheint mir die einfachere Vorstellung, das Chymosin 
und Pepsin seien identisch, die am meisten begründete. Ich 
bin weit davon entfernt, diese interessante Enzymfrage als er¬ 
ledigt zu betrachten; schon die Tatsache allein, daß das von 
Hammarsten mittels Cholesterin dargestellte Chymosin noch 
nicht auf Verdauung geprüft wurde (nach Reinigen natürlich), 
würde eine solche Auffassung nicht gestatten. In einer solchen 
«Trennung» von Chymosin und Pepsin ohne weiteres einen Be¬ 
weis für die Dualität zu sehen, davon kann, wie ich glaube, 
nunmehr nicht die Rede sein. Und wenn ich mich nun frage, 
was die nächste Aufgabe sein wird in diesem so verwickelten 
Probleme, so scheint mir das Studium, qualitativ und quanti¬ 
tativ, von dem Einflüsse der äußeren Umstände (Art und Menge 
der Verunreinigungen, Alkalität, Temperatur usw.) auf dieses 
empfindliche Enzym — Untersuchungen also, wie sie von Gewin
        

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