Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bedeutung der Phosphatide (Lecithane) für die lebende Zelle. II. Mitteilung
Person:
Koch, W.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37547/8/
Die Bedeutung der Phosphatide für die lebende Zelle. II. 4H9 
Es liegt also die Ausflockungsgrenze für die Phosphatide 
des corpus callosum dem einer physiologischen Natriumchlorid¬ 
lösung 0,9°/o (m 6 bis m 7) sehr nahe. Diese Beobachtung läßt 
sich mit dem von Macall um mit seinem Silbernitratreagens für 
den Ächsenzylinder gefundenen hohen Chlorgehalt in Zusammen¬ 
hang bringen. Das mit dem Chlor verbundene Kation, wahr¬ 
scheinlich Natrium, kann in die umgebenden Gewebe nicht 
eindringen, da es mit den in der Markscheide anwesenden 
Phosphatiden eine Niederschlags- oder semipermeable Membran 
bildet. Ob der Inhalt des Achsenzylinders flüssig ist oder nicht, 
ist noch nicht einwandsfrei entschieden, jedenfalls ermöglicht 
eine derartige Membran die Isolierung eines flüssigen Inhalts 
und spielt so bei der physiologischen Differenzierung des-Nerven¬ 
systems eine Bolle. 
Die Fähigkeit der Phosphatide, darartige Niederschlags¬ 
membranen zu bilden, spielt gewiß bei der chemischen Tätigkeit 
der Zelle eine Rolle. Es scheint vom rein chemischen Stand¬ 
punkte aus betrachtet die Annahme berechtigt, daß, wenn eine 
chemische Substanz oder deren Ionen mit einem in einer Mem¬ 
bran anwesenden Kolloid einen Niederschlag bilden, diese Mem¬ 
bran für diese chemische Substanz oder deren Ion undurch¬ 
lässig wird. ') Irgend eine andere chemische Substanz, welche 
diese Niederschlagsbildung verhindert, hat dann die entgegen¬ 
gesetzte Wirkung und kann der den Niederschlag bildenden 
Substanz sogar den Durchgang ermöglichen. R. Lillie2) hat 
nun gezeigt, daß die Permeabilität der Zellmembran einen Ein¬ 
fluß auf die chemische Tätigkeit der Zelle ausüben kann. Er 
nimmt an, daß bei Reizung der Zelle die Permeabilität der 
Zellmembran für C02 erhöht wird. Als Folge hiervon wird die 
chemische Tätigkeit der Zelle vergrößert. Wird nun anderseits 
die Permeabilität der Zellmembran für C02 verringert, so sammelt 
sich C02 in der Zellt an und die Reaktionen, welche C02 als 
Endprodukt haben, werden verlangsamt. Über die Natur der 
in der Membran vorhandenen Substanzen, oder der Faktoren, 
’) F. Hofmeister. Archiv für experimentelle Pathologie und Phar¬ 
makologie. 1889, Bd. XXV, S. 1. 
*) R. Lillie. American Journal of Physiology, 1909, Bd. XXIV, S. 14.
        

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