Bauhaus-Universität Weimar

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W. Mooser, 
tative Versuche zur Genüge überzeugt haben und auch Gemische 
der isomeren Kresole mit Phenol kein anderes Verhalten zeigten, 
sogar tagelanges Extrahieren solcher Mischungen mit Petrol¬ 
äther keine wägbaren Verluste ergaben, liegt es nahe, auch 
dem Urogon phenolartige Eigenschaften zuzuschreiben, in den 
Fällen, da es sich bei Gegenwart von KOH nicht mehr wie 
früher in Petroläther löst. Dieser Überlegung folgte nachstehen¬ 
der Versuch: 
2 g Öl wurden in Äthyläther gelöst und mit 10°/oiger KOH 
geschüttelt. Die gelblichgrüne Ätherlösung wurde bald durch 
die alkalische Flüssigkeit entfärbt. Nach halbstündigem Schütteln 
war der Entzug vollständig, wie die Prüfung eines Probever¬ 
suchs mit Millon klarlegte. Der Äther hinterließ einen geringen 
Rückstand, der sich glatt in Alkohol löste, somit den typischen 
Kohlenwasserstoff nicht enthielt. In der wässerig alkalischen 
Lösung aber ergab die Sättigung mit Kohlensäure einen Nieder¬ 
schlag, und darauffolgende Destillation im Dampfstrom eine 
milchige Flüssigkeit, die neutral reagiert, mit Millon sich wein¬ 
rot färbt und erfrischenden Geschmack besitzt. Ein ähnliches 
Resultat zeitigte die Behandlung einer Petrolätherlösung von 
Urogon mit 1 °/oiger KOH. Nach vollständigem Entzug wurde die 
wässerige Lösung mit S04H2 angesäuert und durch Petroläther 
daraus ein bräunliches Öl erhalten, das sich leicht in KOH 
löste, im Wasserdampf destilliert, milchige Trübung ergab und 
sich rötlich mit konzentrierter S04H2 färbte. Mit Eisenchlorid 
gab es eine Färbung, die wir stahlblau nennen möchten, mit 
Millon intensiven roten Niederschlag. Bromwasser gab eine 
weißgelbe Trübung, dagegen Salpetersäure keinen wahrnehm¬ 
baren Farbstoff. Von Öl unterscheidet sich dieser Körper durch 
seinen phenolartigen Geruch. 
In dieser Möglichkeit der Umwandlung des Urogons in 
einen phenolartigen Körper liegt vielleicht auch die Erklärung 
der Zunahme des Phenolgehaltes bei unsern Kuhharnunter¬ 
suchungen ; im Haushalte der Natur aber hätte diese Fähigkeit die 
Bedeutung, daß gerade die durch allzu große Reinlichkeit keines¬ 
wegs geplagte Bevölkerungsklasse in ihrem charakteristischen 
«Stallgeruch» auch eine Art von Desinficiens an sich trägt.
        

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