Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die quantitative Bestimmung der Aminosäuren, Polypeptide und der Hippursäure im Harne durch Formoltitration
Person:
Henriques, V. S. P. L. Sörensen
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37516/4/
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V. Henriques und S. P. L. Sörensen, 
kann, daß derartige Aminosäuren wie die letzterwähnten im 
Harne Vorkommen können, und da die bei der Formoltitrierung 
des Harns besonders wichtigen Stoffe — die Ammoniumsalze 
und das Glykokoll — sich einwandsfrei mit Phenolphthalein 
als Indikator formoltitrieren lassen, sei es, daß die Titrierung 
bis zu schwach oder bis zu stark roter Farbe geführt wird, 
scheint es uns ganz fehlerhaft, der Formoltitrierung im Harne 
eine Sonderstellung zu geben; man muß in diesem wie in 
allen anderen Fällen bis zu stark roter Farbe mit 
Phenolphthalein titrieren. 
Die Neutralisation der Lösung. Wie schon eingangs 
erwähnt, hat die Neutralisation den Zweck, die Lösung in den 
Stand zu bringen, daß gleich viele Äquivalente von basischen 
und sauren Gruppen vorhanden sind, so daß z. B. alles Am¬ 
moniak als Ammoniumsalz und alles Glykokoll und ähnliche 
Aminosäuren in freiem Zustande in der Lösung sich befinden. 
Es erhebt sich jetzt die Frage: Wie reagieren solche 
Lösungen von reinem Ammoniumsalz oder von einer reinen 
Aminosäure den verschiedenen Indikatoren gegenüber? Es soll 
in dem folgenden nachgewiesen werden, daß solche Lösungen 
wie die hier erwähnten gegen Lackmus ungefähr neutral, gegen 
Phenolphthalein dagegen mehr oder weniger stark sauer rea¬ 
gieren, und es soll durch einige Zahlenangaben beleuchtet werden, 
von welcher Größe der Fehler unter verschiedenen Umständen 
sein wird, wenn statt Lackmus Phenolphthalein bei der Neu¬ 
tralisation angewendet wird. 
a) 20 ccm einer n/to-Lösung von reinem Ammoniumchlorid 
zeigten gegen empfindliches Lackmuspapier eine ganz schwache saure 
Reaktion. Nach Zusatz von 1 Tropfen n/s-Natronlauge war die Reaktion 
gegen Lackmus schwach alkalisch, aber erst nach Zusatz von im ganzen 
0,3 ccm n/s-NaOH nahm die Lösung (mit 0,2 ccm 7*°/oiger Phenolphthalein¬ 
lösung versetzt) einen ganz schwach rosa Farbton an. ‘) Bei weiterem 
Zutröpfeln von n/5-NaOH nahm die Farbstärke ganz allmählich zu, und 
selbst nach Zusatz von im ganzen 2 ccm n/s-NaOH war die Lösung kaum 
so stark rot wie die für die Formoltitrierung dargestellte Kontrollösung 
(siehe S. 29). 
*) Dieser Farbton war so schwach, daß es gewiß unmöglich wäre, 
denselben in farbigen Flüssigkeiten, z. B. im Harn, zu entdecken.
        

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