Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bericht über die Leistungen in der Pflanzengeographie während des Jahres 1846
Person:
Grisebach, A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37420/9/
Pflanzengeographie wahrend des Jahres 1846. 4J7 
Finmarken (vergl. Jahresb. f. 1843. S. 380), welche er im 
Sommer 1842 unternommen und auf der er besonders die 
Gegenden um Tana und am Varangerfjord südöstlich vom 
Nordcap untersuchte (Botaniska Notiser, 1846. No. 3 u. f. ); 
Anderson gab Standörterverzeichnisse von seinerim J. 1845 
wiederholten Reise nach den südlichen Waldgebieten des schwe¬ 
dischen Lapplands, die er in der Richtung von Umea bis zum 
Sulitelma durchschnitten hat (Botan. Notis. a. a. O. No. 1), 
und derselbe bearbeitete eine Zusammenstellung der lapplän¬ 
dischen Flora nach ihrer geographischen Gliederung (Conspec¬ 
tus vegetationis lapponicae. Upsal., 1846. 8. 39 pag.) 
Unter diesen Schriften zeichnet sich die erstgenannte durch die 
Untersuchung des klimatischen Einflusses auf die Vegetation und die 
zweite durch einige neue pflanzengeographische Thatsachen aus. Die 
Erfahrung, dass die Culturgewächse an der norwegischen Küste so 
viel weiter nordwärts fortkommen, als in Schweden, führt Martins 
auf die Frage von den hohen Isothermen, die mit dem Gegensätze 
des Küsten - und Continental-Klima’s auf beiden Seiten des Landes 
nicht unmittelbar zusammenhängt. Von jenem Problem nun, welches 
man durch den Golfstrom zu erledigen so geneigt ist, versucht er 
eine Lösung, die auch der, dem sie hypothetisch erscheint, doch als 
geistreich anerkennen muss. An der skandinavischen Westküste herr¬ 
schen nach dem Verf. im Allgemeinen südwestliche Winde vor: unter 
diesem Einflüsse wirken Athmosphäre, Land und Meer zusammen, 
um den Winter zu erwärmen. Durch die Richtung des Windes wird 
die Luft an sich warm, noch mehr, weil er über den Golfstrom her¬ 
überweht, dann trifft er die Gebirgskette der Fjelde, schlägt seinen 
Wasserdampf nieder und die umwölkte Küste kann in den langen 
Nachten die empfangene Wärme nicht durch Strahlung verlieren: 
dazu schützt noch die Fjeldlinie das Vorland gegen die Polarwinde. 
Im Sommer hingegen löst die Sonne häufiger den gebildeten Nebel 
auf und dringt mit ihren Strahlen zum Boden. Wogegen sich ein¬ 
wenden lässt, dass es in Norwegen nicht an Küstenlandschaften fehlt, 
wo der Winter heiterer als der Sommer ist: ja die eigenen Beobach¬ 
tungen des Verf. zeigen es am Fjord von Alten (p. 77). In Nord¬ 
schweden kommen die äquatorialen Luftströmungen über die Fjelde 
und bringen daher heiteren Himmel und damit die höhere Kälte des 
Winters. Alles dies und Aehnliches scheint geeigneter, die höhere 
Gleichmässigkeit, als die höhere Wärme des norwegischen Klima’s 
zu erklären. 
Der wuchtigste Beitrag zur lappländischen Pflanzengeographie ist 
M.’s Untersuchung über das Klima von Alten, welche auf mehrjähri¬ 
gen Beobachtungen beruht. Diese Station, unter 70° 0'N. Br. ge- 
Arehiv f. Naturgcsch. XIII, Jahrg, 2. Bd. D d
        

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