Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bericht über die Leistungen in der Pflanzengeographie während des Jahres 1846
Person:
Grisebach, A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37420/5/
Pflanzengeographie während des Jahres 1846. 413 
B. Aequatorialströmungen (Ae.) an 
1838 = 30 Tagen SW. + 49 T. S. + 44 T. W. = 123 Ae. 
1839 = 24 „ SW. + 25 „ S. + 36 „ W. = 85 Ae. 
1840 = 26 „ SW. + 50 „ S. + 52 „ W. = 128 Ae. 
1841 = 15 „ SW. + 33 „ S. + 37 „ W. = 85 Ae. 
Mittl. Anz."24 ~ SW. '+ 39 S. + 42 „ W. = 105 Ae. 
C. Strömungen aus andern Richtungen (L.) an 
1838 = 20 Tagen SO. + 23 T. NW. = 43 L. 
1839 = 22 „ SO. + 17 „ NW. = 39 L. 
1840 = 5 „ SO. + 19„ NW. = 24L. 
1841 = 3 „ SO. + 14 „ NW. = 17 L. 
Mittl. Anz. 12 „ SO. + 18 „ NW. = 31 L. 
Wir entnehmen hieraus einmal, dass bei dem Kampf der beiden 
allgemeinen Luftströmungen der gemässigten Zone in der Nogaischen 
Steppe die von heiterm Himmel begleiteten Polarströmungen sehr 
beträchtlich überwiegen: eine Erscheinung, die nicht von örtlichen 
Einflüssen abhängt, sondern durch die geographische Lage der Sahara 
zu erklären ist, wTelehe dem ganzen europäischen Süden einen regen¬ 
losen Sommer verschafft. Ferner ergiebt sich aus jenen Beobach¬ 
tungen, dass im nassen Jahre 1838 neben einer beträchtlichen Ver¬ 
minderung der Polarströmungen von den entgegengesetzten Winden 
der Südwrest sich stärker, als in andern Jahren entwickelte und ausser¬ 
dem eine Zunahme der abnormen Strömungen aus Siidost und Nord¬ 
west stattfand. Nun müssen von allen Luftströmungen in der Nogai¬ 
schen Steppe nach der geographischen Lage derselben die Südwest- 
und Südost-Winde die feuchtesten sein, weil sie als Seewinde vom 
schw’arzen und Asowschen Meere herüberw ehen : während der Süd¬ 
wind auf den taurischen Gebirgen an Feuchtigkeit verliert und in den 
übrigen Richtungen die Steppe sich weithin ausbreitet. Folglich 
hängt die Dürre des Klima’s von den Luftströmungen ab, und, da 
deren Charakter eine Folge der geographischen Lage Südrusslands 
ist, so kann die Meinung, es wTären die Steppen ehemals bewaldet 
gewesen, nicht begründet sein und ebenso wird die Hoffnung, ihr 
Klima durch Baumpflanzungen zu verbessern, niemals in Erfüllung 
gehen. Diese chimärischen Hoffnungen, die v. Brinken in seinen An¬ 
sichten über die Bewaldung der Steppen des europäischen Russlands 
(Braunschweig 1833) anregte und die dort allgemeinen Eingang ge¬ 
funden zu haben scheinen, theilt nun auch Teetzmann nicht: vielmehr 
nennt er das Land eine ewige Steppe, wTeil es gänzlich unmöglich 
sei, in diesem Thonboden Baumpflanzungen zu erziehen, dadurch die 
Feuchtigkeit zu vermehren, eine höhere Fruchtbarkeit zu entwickeln 
und den Ackerbau auszubreiten. Aber er unterscheidet hievon als 
zufällige Steppen solche Gegenden, wo der Boden die Feuchtigkeit 
durchlässt, wo T. aus diesem Grunde Waldanlagen für zulässig er¬ 
klärt und hiedurch jene Wirkungen wenigstens strichweise hervor¬ 
zubringen hofft. Die Täuschung würde auch hier nicht ausbleiben,
        

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