Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bericht über die Leistungen der Naturgeschichte der Säugethiere während des Jahres 1846
Person:
Wagner, Andr.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37414/16/
16 Andr. Wagner: Bericht über die Leistungen in der 
Auch unsres Bedünkens nach ist diese Abhandlung durch gründ¬ 
liche, genaue und durchdachte Behandlung ihres Gegenstandes der 
ihr gewordenen Auszeichnung vollkommen würdig. Besonders gelun¬ 
gen ist der zweite Abschnitt, in dem der Verf. die verschiedenen 
Meinungen über den Urstamm des Haushundes prüft und endlich zu 
dem Schlüsse gelangt, dass der Hund eine eigne Art bildet, die weder 
von einer bekannten wTilden Art abstammt, noch als ein fruchtbarer 
Bastard zu betrachten ist. Die grosse Bekanntschaft des Verf., nicht 
bloss mit der französischen, sondern auch mit der deutschen und 
englischen Literatur zeichnet diese Arbeit vor vielen andern aus, die 
jetzt in französischer Sprache erscheinen. Nur ein seltsamer Ver- 
stoss ist in dieser Beziehung dem Verf. begegnet, indem er sich 
p. 136 und 142 auf Genesis cap. IV. beruft, um daraus zu erweisen, 
dass die Bibel schon Abel einen Hund zuschreibt, der die Heerden 
gehütet und nach dem Verbrechen Kains bei dem Leichnam liegen 
geblieben sei. Die Thatsache mag richtig sein; nur ist von ihr we¬ 
der in diesem noch in irgend einem andern Kapitel der Genesis die 
Rede. Es heisst daselbst bloss: Abel ward ein Schäfer, Kain aber 
ein Ackersmann. Demgemäss mochte also Abel immerhin der erste 
gewesen sein, der sich zur Hütung der Heerde des Hundes bediente; 
aber ein historisches Dokument dafür giebt es nicht. 
lieber die Sitten des wilden neuholländischen Hundes 
wurden vom Kapitain Stockes einige Erfahrungen mit- 
getheilt. 
Sie finden sich in seinen Discoveries in Australia. Lond. 1846. 
vol. II. p. 220 (daraus in Froriep’s Neue Notizen XXXIX. S. 230). 
Am Schwanenflusse in Westaustralien wurde ein junges Weibchen 
gefangen, das gut jagte, jedoch nie vollkommen zahm wurde und 
namentlich das Stehlen sich nicht abgewÖhnen liess. Von einem 
Hühnerhunde wurde es zweimal belegt und warf jedesmal 3 Junge. 
Sonst fing es mit allen Hunden Streit an. Es liess nie ein Bellen, 
sondern nur ein hässliches Geheul hören. Seine Farbe war hell loh¬ 
braun, der Schwanz mit einigen schwarzen Haaren vermengt und die 
Schwanzspitze weisslich. 
JFelina. Anatomie descriptive et comparative du Chat, 
type des Mammifères en général et des Carnivores en parti¬ 
culier, par H. Straus-Durckheim. Paris. 
Es wäre völlig überflüssig dieses Werk noch besonders loben 
zu wollen, da von dem Verfasser der Anatomie des Maikäfers ohne- 
diess nicht anders als ein Meisterwerk sich erwarten liess, dass so¬ 
wohl durch Gründlichkeit und Vollständigkeit des Textes als durch 
Genauigkeit und Pracht der Abbildungen sich den Arbeiten eines 
Lyonet's, Poli’s und Tiedemann’s gleichwertig an die Seite stellt.
        

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