Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zweiter Theil: Physiologie der Aufsaugung, Lymphbildung und Assimilation
Person:
Wittich, W.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37393/41/
Die Resorption der Fette. 
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arteriellen und capillaren Gefässen der Zotten communient, die auf¬ 
gesaugten Massen dem Blute zuführe und so die Fettaufnahme ver¬ 
mittele. 
Um die Zeit der Fettaufnahme, d. h. ihre Dauer nach einmaligem 
Genuss fetthaltiger Speisen festzustellen, sind von Zawilski 1 folgende 
Ueberlegung, und auf Grund ihrer eine Reihe von Versuchen ange¬ 
stellt worden. 
Nach Nasse 2 und C. Schmidt 3 enthält der Chylus nämlich nur 
3% an Fetten; nach den übereinstimmenden Angaben von Petten- 
kofek4, C. Voit und Hoffmann vermag er aber 350 Grm. Fette aus 
dem Darm aufzunehmen, das würde nun nach Zawilski’s Berech¬ 
nung (3% vorausgesetzt) einen Chylusstrom von 10 Litern verlangen, 
um das Fett fortzuschlemmen. Nun beträgt aber der Procentgehalt 
nach Zawilski vielmehr durchschnittlich S 0 0 und steigt selbst bis 
15%, je nach der mit der Nahrung gebotenen Fettmenge. Was 
die Dauer der Fettresorption betrifft, so glaubte man nach der ge¬ 
läufigen Annahme, dass die Magenverdauung in kurzer Zeit, nach 
einigen Stunden, abgelaufen ; durch Zawilski erfahren wir aber, dass 
die Chylification, d. h. die Aufnahme der Stoffe in den Chylus mehr 
als die doppelte Zeit erfordere, ehe sie beendet. In der 21. Stunde 
nach der Fütterung fand Verfasser von 150 Grm. Fett noch 9,74 im 
Magen, 6,24 Grm. im Darm, und erst in der 30. Stunde war das¬ 
selbe bis auf Spuren geschwunden (0,04 und 0,03 Grm.). Von grossem 
Interesse ist ferner auch der (S. 157) Umstand, dass der Fettgehalt 
im Darm doch während der ganzen Zeit, die etwa 30 Stunden um¬ 
fasst, nur wenig oder doch sehr geringe Schwankungen zeigt (zwischen 
6,24 und 9,90 Grm.). Hierdurch gewinnt es den Anschein 
(nach Zawilski), als ob sich nach der Menge des im Darm 
enthaltenen Fettes sein Zufluss aus dem Magen regele! 
Aus den Versuchen Zawilski's geht ausserdem mit grosser Wahr¬ 
scheinlichkeit hervor, dass die Fettaufnahme überhaupt fast ausschliess¬ 
lich durch den Chylus erfolge, und dass die selbst nicht unbedeuten¬ 
den Mengen in das Blut übergeführten Fettes ungemein schnell in 
demselben verschwinden. Gleichwohl entspricht die Menge des im 
Chylus Vorgefundenen Fettes durchaus nicht der im Darm verschwun¬ 
denen; eine Erklärung aber dieses Widerspruchs ist uns Zawilski 
schuldig geblieben. Wäre es nicht denkbar, dass die fehlenden Men- 
1 Zawilski. Arbeiten aus der physiol. Anstalt zu Leipzig. XI. S. 147 ff. 1876. 
2 H. Nasse, Handwörterb. d. Physiol. Riickner I. S. 233. 
3 Schmidt, 
4 Pettenkofer, Der Uebergang von Nahrungsfett in die Zellen der Thier¬ 
körper. München 1872. Vgl. auch Zawilski a. a. o. S. 148.
        

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