Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zweiter Theil: Physiologie der Aufsaugung, Lymphbildung und Assimilation
Person:
Wittich, W.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37393/143/
Diabetes mellitus. 
39/ 
man hat aus dieser Thatsache auch wohl gefolgert, dass dem Muskel 
ebenso wie der Leber eine glycogene Function, d. h. die Fähigkeit 
zukomme, Zucker in Glycogen umzuwandeln. 
Aus Versuchen an Winterfröschen (siehe früher S. 380 oben) ist 
es uns jedoch sehr unwahrscheinlich, dass das Glycogen nur als 
Zucker dem Muskel zugeführt werde, auch Thiere, die das Zucker¬ 
ferment entbehren, consumiren während des Tetanus das in der Leber 
angehäufte Glycogen. Findet hier ein causaler Zusammenhang statt, 
so ist es doch nicht gut anders denkbar, als dass das Glycogen als 
solches in den Muskel übergehe und hier verarbeitet werde. 
Versuche, die ich mit den verschiedensten Geweben vom Frosch 
anstellte, welche ich in Reagenzgläsern in einer (1 procentigen) Gly- 
cogenlösung aufstellte, lehrten mich, dass der Muskel von allen Ge¬ 
weben dasjenige sei, welches verhältnissmässig am langsamsten Gly¬ 
cogen in Zucker umwandelte, durch andauernde Thätigkeit aber diese 
Umwandlung beschleunigt werde. Es scheint demnach, als ob das¬ 
selbe nur zum Theil in Zucker umgewandelt, zum grösseren Theile 
als solches verarbeitet werde. 
Für diese Deutung des Zustandekommens der Glycosurie durch 
unzureichenden Verbrauch des Glycogens oder Zuckers spricht auch 
wohl Nasse und Zimmer’s1 Angabe, dass ein ergiebiger Muskelge¬ 
brauch den Zucker im Diabetesharne oft zum Schwinden bringe. 
Wir sind in unserer Darstellung von der Voraussetzung ausgegangen, 
dass die Bildung des Glycogens eine Leberfunction ist, dass dasselbe 
nur zum kleinsten Theile als solches dem Körper zugeführt werde, 
sondern erst aus ihm nahe verwandten oder andern complicirteren 
Gebilden assimilirt werde, dass seine physiologische Bedeutung in 
seiner functioneilen Verwerthung zu finden sei ; dass dasselbe zum 
Theil als ein Bildungsmaterial bei der Gewebsneubildung, zum Theil 
als Kräfteproducent verwerthet werde. Seine leichte Ueberführbar- 
keit in Zucker lässt es mehr als wahrscheinlich erscheinen, dass eine 
solche auch während des Lebens stattfinde, dass die stets vorhandene 
Glycämie ihm ihre Entstehung verdanke. Weiter folgt aus der Dar¬ 
stellung, dass die Glycämie bis zu einer gewissen Grenze gesteigert 
den Ausgangspunkt geben könne für eine pathologische Glycosurie, 
die in der wohl wahrscheinlich auch physiologisch vorkommenden 
Glycosurie ihren Ursprung findet. 
Unter normalen Verhältnissen beginnt die Melliturie erst bei einem 
gewissen höheren Procentgehalt des Blutes an Zucker. Unter gewissen 
1 Nasse u. Zimmer a. a. 0.
        

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