Bauhaus-Universität Weimar

490 Drechsel, Chemie der Absonderungen und der Gewebe. 1. Cap. Der Harn. 
Urobilins nicht im frischen Zustande zeigen, sondern erst nach eini¬ 
gem Stehen an der Luft; sie enthalten das Reductionsproduct des 
Urobilins, welches erst an der Luft durch Sauerstoffaufnahme in 
dieses übergeht. Die Angaben über das Vorkommen präformirten 
Urobilins im Harne lauten sehr verschieden; Jaffé fand dasselbe 
in jedem der von ihm untersuchten Harne; Disque konnte es dagegen 
in frisch entleertem normalem Harn kein einziges Mal direct nack¬ 
weisen, wohl aber in pathologischem, dunkel gefärbtem; E. Sal- 
kowski 1 giebt eine einfache Methode an, mittelst welcher es ihm 
bisweilen gelang, Urobilin in frisch entleertem normalem Harn nach¬ 
zuweisen: man schüttelt 100 cc Harn sanft mit 50 cc völlig reinen, 
alkoholfreien Aethers durch, verdunstet den Aether, und löst den 
Rückstand in etwas absolutem Alkohol — die Lösung ist rosenroth, 
fluorescirt grün und zeigt den Urobilinstreifen. Esoff1 2 3 hält es für 
möglich, dass in manchem Harn eine Verbindung des Urobilins vor¬ 
kommt, welche erst durch Säurezusatz gespalten wird. Ob das Uro¬ 
bilin der einzige Farbstoff des Harns ist, scheint nach Untersuchun¬ 
gen von Vieroedt 3 zweifelhaft, denn die Lichtabsorptionsverhältnisse 
des Harns stimmen nicht ganz mit denjenigen einer Urobilinlösung 
überein. Auch Mac Munn4 beobachtete solche Verschiedenheiten 
bei Lösungen von Urobilin verschiedenen Ursprungs. 
Substanzen, deren Auftreten im Ilarn an die Aufnahme bestimmter 
anderer Verbindungen in den Kreislauf' geknüpft ist. 
Unter dieser Rubrik sollen eine Anzahl Verbindungen zusammen¬ 
gefasst werden, deren Auftreten im Harn an besondere Bedingungen 
geknüpft ist. Nur wenige derselben sind als normale Harnbestand- 
theile zu betrachten; die Mehrzahl tritt nur auf nach Einführung ge¬ 
wisser, dem Organismus fremder Substanzen in den allgemeinen 
Kreislauf, und damit in das Getriebe des chemischen Stoffwechsels. 
Das Material für diesen besteht der Hauptsache nach aus Eiweiss, 
Fett, Kohlehydraten, Sauerstoff und anorganischen Salzen; die Zer¬ 
legung und Verbrennung der erstgenannten drei Körperklassen bis 
zu den Endproducten Kohlensäure, Wasser und Ammoniak erfolgt 
aber nicht auf einmal, sondern durch eine ganze Reihe grösstentkeils 
noch vollkommen unbekannter Processe, bei denen die Producte des 
vorhergehenden unmittelbar als Ausgangsmaterial für den folgenden 
1 E. Salkowski. Ztschr. f. physiol. Chemie. IV. S. 134. 
2 Esoff. Arcli. f. d. ges. Physiologie. XII. S 50. 
3 Vierordt, Ztschr. f. Biologie. IX. S. 160. 
4 Mac Munk, Proceed. Roy. Soc. XXX. p. 250; XXXI. p. 26 u. 206.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.