Bauhaus-Universität Weimar

488 Deechsel, Chemie der Absonderungen und der Gewebe. 1. Cap. Der Harn. 
205° sublimirt es in geringer Menge krystallinisch, in noch höherer 
Temperatur zersetzt es sich vollständig, wobei ein nicht erstarrendes 
Oel tiberdestillirt. Seine Lösung reagirt schwach alkalisch, wird durch 
Eisenchlorid schwach carminroth, durch Millon’s Reagens allmählich 
intensiv gelbgrün gefärbt, und durch Pikrinsäure, Silbernitrat, Pla¬ 
tinchlorid, Goldchlorid gefällt. Mit letzteren beiden giebt es kristal¬ 
linische Doppelsalze. Wird Kynurin (oder Kynurensäure) mit Zink¬ 
staub im Wasserstoffstrome geglüht, so giebt es seinen Sauerstoff ab 
und geht in Chinolin C$HiN (Sdp. 234—235°, corr. nach Kopp: 
240°.37—241 ".33 bei b = 750.1 mm) über (Kretschy). Demnach ist 
das Kynurin ein Chinolinphenol: C$Hb(OH)N, wofür auch die Re¬ 
sultate einiger Versuche über sein Verhalten gegen metallisches 
Kalium, Chloracetyl und Chlorphosphor (wobei Monochlorchinolin 
entsteht) sprechen. Durch Natrium amalgam wird es in eine äusserst 
schwache Base Ci & EfeoA3 O-i, durch Zinn und Salzsäure in salzsaures 
Tetrahydrochinolin : CvHnN-HCl übergeführt. Die Kynurensäure 
selbst ist dann eine Oxyehinolincarbonsäure : Co Hb (OU)X ■ CO • OIL 
Leber die Bildung dieser Säure im Organismus ist noch nichts be¬ 
kannt; Kretschy hält es aber, in Anbetracht des Umstandes dass 
sie namentlich bei reiner Fleischkost im Harn auftritt, für möglich, 
dass sie aus dem Eiweiss stamme, dass mithin dieses auch einen 
Kern der Chinolinreihe enthalte. 
N) Urobilin. 
Das Urobilin ist der einzige mit Sicherheit bekannte Farb¬ 
stoff, welcher als solcher im menschlichen Harn vorkommt; andere 
Farbstoffe, wie Uroglaucin, Urrhodin etc,, welche man früher als Be¬ 
standteile des Harns ansah, sind später als Zersetzungsproducte 
anderer farbloser Körper, sog. Chromogene, wie z. B. Indican, erkannt 
worden. Auch für das Urobilin scheint ein solches Chromogen zu 
existiren, wenigstens werden häutig Harne beobachtet, welche im 
frischen Zustande das Absorptionsspectrum des Urobilins nicht zeigen, 
wohl aber nach längerem Stehen. Das Urobilin wurde von Jaffé1 
in Fieberharnen, dann auch im normalen Harn entdeckt; es ist iden¬ 
tisch mit dem Hvdrobilirubin Maly’s 2 und dem Stercobilin, welches 
von Vaulair und Masius 3 aus Excrementen dargestellt worden. 
Im Pferde- und Hundeharn scheint kein Urobilin enthalten zu sein. 
Zur Darstellung benutzt man nach Jaffé am besten dunklen 
1 Jaefé, Arch. f. pathol. Anat. XLVII. S. 405. 
2 Maly, Arm. d. Chemie u. Pharm. CLXIII. S. 77. 
3 V AE laie, u. Masius, Med. Centralbl. 1871. S. 3G9.
        

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