Bauhaus-Universität Weimar

Harnstoff, Entstehung im Organismus. 
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und zwar nicht auf die Weise, dass die Elemente des Wassers auf 
einmal, in Form von Wasser, abgespalten werden, sondern durch 
zwei unmittelbar auf einander folgende Reactionen: eine Oxydation, 
welche 2 At. Wasserstoff, und eine Reduction, welche 1 At. Sauer¬ 
stoff eliminirt: 
I. NH-2 ■ CO • 0 • NHi -f- 0 = NH-2 COO• NB> + ICO 
carbaminsaures Ammon 
II. NH-2 COO• iXff2 + IÎ2 = NHi • CO ■ NIC + H20 
Harnstoff. 
Wie man sieht, giebt diese Hypothese nicht nur über die Harn¬ 
stoffbildung Aufschluss, sondern auch zugleich über den Modus der 
Wasserabspaltung innerhalb einer wässrigen Lösung, und als Stütze 
für dieselbe dient die Thatsache, dass bei der Elektrolyse einer 
wässrigen Lösung von carbaminsaurem Ammon mittelst Wechsel¬ 
strömen, wo also an jeder Elektrode in kurzen Zwischenräumen 
hintereinander Oxydations- und Reductionsprocesse vor sich gehen, 
bei gewöhnlicher Temperatur kleine Mengen von Harnstoff gebildet 
werden. 
Ueber den Ort der Harnstoffbildung im Organismus war bis 
vor Kurzem etwas Sicheres nicht bekannt; Meissner1 hatte zwar 
gefunden, dass die Leber von Hunden und Hühnern grössere Mengen 
von Harnstoff bez. Harnsäure enthielten als das Blut dieser Thiere, 
und schloss daraus, dass dieses Organ die Bildungsstätte für diese 
Verbindungen sei, allein Gscheidlen 2 3 widersprach dieser Ansicht, 
da er nach mehrmaligem Durchleiten von Blut durch eine Hunde¬ 
leber den Harnsfoffgehalt desselben nicht vergrössert fand, und 
J. Munk ! kam zu dem Resultate, dass der Harnstoffgehalt des Blutes 
höher sei als der der Leber. Vor Kurzem zeigte indessen W. v. Schrö¬ 
der 4, dass das Blut hungernder Hunde beim Durchleiten durch eine 
ausgeschnittene Hundeleber zwar keine Zunahme seines Harnstoff¬ 
gehaltes zeigt, wohl aber nach Zusatz von kohlensaurem oder ameisen¬ 
saurem Ammon, oder auch ohne diesen Zusatz, falls das Blut von 
in der Verdauung befindlichen Thieren stammt; dagegen konnte er 
eine solche Vermehrung des Harnstoffgehaltes beim Durchleiten des 
Blutes durch eine Niere oder durch Muskelgewebe nicht nachweisen. 
Nach diesen Versuchen ist also die Leber als Hauptbildungsstätte 
1 Meissner. Ztschr. f. rat. Med. XXXI. iS. 234. 
2 Gscheidlen, Habilitationsschrift : Ueber den Ursprung des Harnstoffs im 
Thierkörper. Leipzig 1871. 
3 J. Munk, Arch. f. d. ges Physiologie. XL S. 1 (JO. 
4 W. v. Schröder, Arch. f. exper. Pathol. XV. S. 364.
        

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