Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie der Absonderungsvorgänge
Person:
Heidenhain, R. B. Luchsinger
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37391/74/
74 Heidexhain, Physiologie der Absonderungsvorgänge. 1. Ab sehn. Speicheldrüsen. 
Absonderung’ ist vorläufig nicht im Entferntesten zu denken, so grosse 
Wichtigkeit sie vielleicht dereinst in dieser Beziehung erlangen werden. 
Eine andere Reihe von Vorstellungen verlegt die Triebkräfte 
für den Wasserstrom in die Drüsenzellen selbst. Am ausführlichsten 
hat Hering eine derartige Theorie entwickelt \ anknüpfend an die 
Absonderung in der Unterkieferdrüse des Hundes. In den Zellen 
derselben entstehe bei Reizung der Chorda ein Colloidstoff von sehr 
hohem Quellungsvermögen, das Mucin, welcher mit grosser Begierde 
Wasser anziehe und mit demselben eine Lösung bilde, die als Secret 
abfliesse. In ihrer physikalischen Einfachheit ansprechend genug und 
durch Diffusionsversuche mit Colloidsubstanzen, die einen sehr hohen * 
endosmotischen Druck hervorrufen können, von Hering unterstützt, 
ist jene Deutung des Absonderungsvorganges dennoch unhaltbar. 
Denn zunächst erzeugen Drüsen, in deren Secret keine Substanz von 
auffallendem Queliungsvermögen nachgewiesen werden kann, wie 
z. B. die Parotis, einen annähernd ebenso hohen Absonderungsdruck 
wie die Submaxillaris. Der Gehalt des Parotidenspeichels an orga¬ 
nischen Substanzen kann unter 0,1% sinken, während die Abson¬ 
derung lebhaft vor sich geht. Eine so geringe Menge von Albumi- 
naten, die keineswegs besonders quellbar sind, sollte im Stande sein, 
verhältnissmässig so erhebliche Wassermassen durch endosmotische 
Anziehung in Bewegung zu setzen? — Dazu kommt, dass bei andern 
Drüsen (z. B. Sublingualis, Orbitalis) das Secret viel mucinreicker 
ist, als das der Submaxillaris, bezüglich der Absonderungsgeschwin¬ 
digkeit aber weit hinter dem letzteren zurücksteht. Diese sollte 
aber doch, denke ich, nach Herixg’s Theorie mit dem Mucingehalte 
wachsen, sofern nicht etwa dem Wasserstrome in jenen Drüsen be¬ 
sondere Widerstände entgegen wirken, welche vorauszusetzen nicht 
der mindeste anatomische Anhalt vorliegt. Ein weiterer Beweis gegen 
die HERixG’sche Auffassung liegt darin, dass der Quellungsquotient 
der Substanz der Submaxillaris2 durch die Reizung keineswegs ver- 
grösser! wird.:; Endlich ist auf die bereits oben erörterte Thatsacke 
hinzuweisen, dass der Sympatkicus des Hundes in der Parotis lös¬ 
liche Absonderungsproducte erzeugt, ohne Wasserabsonderung her¬ 
beizuführen. 
Wenn somit die auf den einfachen Vorgang der Diffusion be¬ 
gründete Theorie Hering’s aufgegeben werden muss, so doch nicht 
t E. Hering. Ber. cl. Wiener Acad. Mathem.-naturwiss. Abth. LXVL 3. Abth. 
1872. S. 8.3. 
2 d. h. die von der Gewichtseinheit quellender Substanz aufgenommene Was¬ 
sermenge. 
3 R. Heidenhain, Arch. f. d. ges. Physiol. XVII. S. 54. 1878.
        

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